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Rot gegen Grün
Hoodwinked! von Cory Edwards

Es beginnt mit dem Ende: Rotkäppchen – ‚Red‘, wie sie hier heisst – stellt dem Wolf gerade die bekannten Fragen zu seinem ungewohnten Aussehen, als sich die Dinge plötzlich überstürzen und bekannte Märchenbahnen verlassen werden. Kein mutiger Jäger greift ein, dafür hüpft die gefesselte Grossmutter aus der Besenkammer – wurde sie denn nicht gefressen? –, und ein ausser Rand und Band geratener Holzfäller stürzt durchs Fenster. Die Konfusion ist gross, doch ist die Polizei rechtzeitig zur Stelle. Ein verkleideter Wolf, eine gefesselte Grossmutter, ein unschuldiges Mädchen – für Polizeichef Grizzly ist der Fall klar. Gut, dass der clevere Frosch Nicky Flippers rechtzeitig eingreift, um die Beteiligten in die Mangel zu nehmen.

In bester Rashômon -Manier erzählt nun jeder der Beteiligten seine Version der Geschichte, und in Rückblenden setzt sich allmählich zusammen, was tatsächlich geschehen ist. In Wirklichkeit ist der Wolf nämlich ein investigativer Journalist, Red gar nicht so klein und wehrlos, die Grossmutter noch erstaunlich rüstig für ihr Alter und der Wald alles andere als märchenhaft.

Märchen und Animationsfilm haben eine lange gemeinsame Geschichte. Seit Walt Disney mit Snow White and the Seven Dwarfs 1937 den ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm gedreht hat, haben sich Trickfilmer immer gerne beim reichen Fundus der Volksmärchen bedient. Dass dabei die Geschichten mitunter zünftig umgebaut wurden, versteht sich von selbst, schliesslich sind die Werke von Disney und Konsorten in aller Regel witzig, was bei Märchen nur selten der Fall ist. So gesehen ist ein Film wie Shrek, der die Märchenkonventionen gehörig durch den Kakao zieht, die logische Fortsetzung dessen, was Disney einst begonnen hat, und auch Hoodwinked steht ganz in dieser Tradition.

Wie Shrek lebt auch die Rotkäppchen-Verschwörung, wie der Film auf Deutsch heisst, davon, dass er Märchenfiguren menschliche Charaktereigenschaften verpasst. Auch wenn Hoodwinked mit bedeutend kleinerem Budget produziert wurde als die Abenteuer des grünen Ogers, muss er sich unweigerlich mit den Shrek-Filmen messen. Bei diesem Vergleich zieht er eindeutig den Kürzeren und dies nicht nur auf visueller Ebene, wo die begrenzten finanziellen Möglichkeiten am deutlichsten sichtbar werden. Hoodwinked ist zwar ganz amüsant und kann einige Lacher verbuchen, reicht aber nicht annähernd an das Gag-Feuerwerk Shrek heran. Es fehlt an Ideen jenseits der Märchenparodie, und manches – etwa die Martial-Arts-Szenen – hat man einfach aus dem Vorbild übernommen. Am schwersten wiegt aber, dass einem keine der Figuren ans Herz wächst, dass wir selbst mit Red nie so innig mitfühlen wie mit unserem Lieblingsoger.

Hoodwinked! in der Internet Movie Database

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