Perseus als Ödipus – Clash of the Titans von Louis Leterrier
Clash of the Titans gehört in die Kategorie ‹überproduzierter Trash› – zu dämlich, um wirklich ernst genommen zu werden, aber doch zu teuer, technisch zu aufwendig und mit viel zu wenig Selbstironie, um als klamaukiges B-Movie durchzugehen. Zumindest in dieser Hinsicht steht die Neuauflage der Urfassung von 1981 in nur wenig nach: der britische Grossschauspieler Laurence Olivier, der den Göttervater Zeus verkörperte, war damals nur einen Schnitt von einer grotesk piepsenden mechanischen Eule entfernt.
Eine gewisse Berühmtheit erlangte der Film durch seine Tricktechnik, für die Ray Harryhausen verantwortlich zeichnete. Harryhausen, der 1981 auch als Produzent fungierte, ist gewissermassen der Übervater des Spezialeffekts. Sein Markenzeichen war die Stop-Motion-Animation – also bewegte Figuren, die durch Einzelaufnahmen von Modellen zustande kommen. Mittels dieser Technik erweckte Harryhausen im Laufe seiner Karriere zahlreiche Monster zum Leben; besonders berühmt wurde die Fechtszene mit sieben Skeletten in Jason and the Argonauts aus dem Jahre 1963. 1981, als Clash of the Titans in die Kinos kam, war die Stop-Motion-Animation technisch zwar bereits überholt, doch unter Fans gilt der schlangenbewehrte Kopf der Gorgo Medusa als eines von Harryhausens Meisterstücken.
Mit den antiken Quellen nahmen es bereits Harryhausen und die Seinen nicht sonderlich genau, und auch beim Remake kann man den Schwab getrost im Büchergestell lassen – die Perseus-Sage wird hier zum Motivlieferant für eine Art Comig-of-Age-Geschichte. Denn mit was der Halbgott Perseus (Sam Worthington) weitaus mehr zu ringen hat als mit Riesenskorpionen, der Medusa oder dem Kraken ist mit seinem abwesenden Vater Zeus (Liam Neeson). Der Halbgott will von dem olympischen Schwerenöter, der Perseus’ Mutter Danaë mit einer List geschwängert hat, nichts wissen und liegt damit ganz im Trend seiner Zeit: Auch die Bewohner von Argos sind dabei, sich abzunabeln, und zerstören in pubertärem Übermut Tempel und Götterbilder – die väterliche Strafe lässt da natürlich nicht lange auf sich warten. Einigermassen überraschend gipfelt dieser ödipale Konflikt aber nicht in einem Vatermord, Perseus erkennt am Ende vielmehr die patriarchalische Ordnung an.
Es wurden schon zahlreiche weitaus schlechtere Filme als Clash of the Titans gedreht, und doch fragt man sich bei Louis Leterriers Mythen-Verwurstung unweigerlich, ob mit all dem Geld und dem zweifellos vorhandenen Können nicht ein weitaus besserer Film möglich gewesen wäre. Beispielsweise ein Film, bei dem nicht jede Dialogzeile vor unfreiwilliger Komik strotzt, oder ein Film, in dem sehenswerte Schauspieler wie Mads Mikkelsen, Ralph Fiennes und Liam Neeson nicht von Makeup und falschen Bärten erdrückt werden.
Das seltsame Kuddelmuddel aus epischem Gestus, Vulgärpsychoanalyse und Haudrauf-Film, das Clash of the Titans vorführt, dürfte niemanden richtig glücklich machen. Wenn der Film wenigstens Humor hätte – aber mit Ausnahme eines liebevollen Seitenhiebs auf Harryhausens Blecheule präsentiert sich die Antike hier als humorfreie Zone. Wie seine Hauptfigur erscheint Clash of the Titans als unglücklicher Bastard, der seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden hat. Dass man dem Film in der Folge von Avatar während der Postproduktion noch schnell einen 3D-Anstrich verpasst hat, passt da ins schiefe Gesamtbild.
Erschienen in der Basler Zeitung vom 8. April 2010.
Clash of the Titans in der Internet Movie Database
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