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Die Passion Randys – The Wrestler von Darren Aronofsky

Viel war in den letzten Wochen von Mickey Rourke zu lesen, und das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn The Wrestler, Darren Aronofskys Portrait eines in die Jahre gekommenen Ringkämpfers, baut ganz auf seinen Hauptdarsteller. Allerdings – um schauspielerische Leistungen geht es hier im Grunde nicht. Das soll nicht heissen, dass Rourke schlecht spielen würde, aber der Film interessiert sich einzig und allein für seinen Körper. Ein Körper eines Endfünfzigers von beeindruckender Muskelpracht, aber vor allem ein geschundener Körper voller Narben und Schrammen, der im Verlaufe des Films auf unterschiedlichste Weise malträtiert wird.

Die Geschichte ist altbekannt und funktioniert gerade wegen ihrer Schlichtheit: Ein gealterter Star hat den rechten Zeitpunkt zum Aussteigen schon vor Jahren verpasst und fristet das Dasein eines Showbusiness-Proletariers, der von Erinnerungen an die grosse Zeit und drittklassigen Kämpfen vor Provinzpublikum lebt. Nach einem Herzinfarkt will er den Ring endlich hinter sich lassen, doch der ernst gemeinte Versuch, ein normales Leben zu führen, sich mit der Tochter auszusöhnen und vielleicht sogar die Frau seines Herzens zu finden, geht erwartungsgemäss schief. Leute wie Randy The Ram Robinson leben nur im Ring wirklich.

Aronofsky erzählt die in Hollywood so beliebte Geschichte des Underdogs als eigentliches Martyrium. Wenn Randys Freundin, die Stripperin Cassidy – auch sie ist in einem Beruf tätig, bei dem sie ihren Körper zur Schau stellt – von der Gewalt in Mel Gibsons Jesus-Brutalo The Passion of the Christ schwärmt, mag das etwas forciert wirken, ist aber nur folgerichtig. Im Ring hält Randy stets auch die andere Wange hin, selbst wenn sein Gegner mit einem Tacker auf ihn los geht.

Randy im Ring
Randy im Ring

In seinen bisherigen Filmen brillierte Aronofsky nicht zuletzt mit zahlreichen formalen Kabinettstückchen, in The Wrestler dagegen hält er seine mitunter überbordende visuelle Phantasie im Zaum. Der Film ist in einem dokumentarischen, fast dreckigen Stil mit langen Einstellungen gehalten. Oft sehen wir Randy über längere Zeit hinweg nur von hinten. Der Verzicht auf Schnitte und Grossaufnahmen des Gesichts erhöht die realistische Wirkung des Films und lenkt die Aufmerksamkeit noch mehr auf Rourkes Physis. Darin hat The Wrestler durchaus Ähnlichkeiten mit Pornos, die ja ebenfalls von der Behauptung leben, dass die gezeigten körperlichen Extremleistungen echt sind. Und so kann man Aronofskys Film mit gutem Recht obszön finden, oder man kann fasziniert zusehen, wie hier jemand buchstäblich mit Haut und Haar in seine Rolle eintaucht. Auch wenn es nicht für einen Oscar gereicht hat, Rourkes aussergewöhnliche Leistung lässt einen The Wrestler nicht so schnell vergessen.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 26. Februar.

The Wrestler in der Internet Movie Database

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