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Der mit den Zombies rennt – World War Z von Marc Forster

Ruft stets im falschen Moment an: Mireille Enos. Noch mit beiden Armen: Daniella Kertesz. Angriff!

Zombies sind dumm. Sie sind hässlich und verfügen über keine besonderen Fähigkeiten. Aber sie sind zäh, marschieren stets vorwärts, mit dem einzigen Ziel, ihre Fänge in menschliche Körper zu schlagen und so die Plage weiter zu verbreiten. Gerade diese Einfältigkeit macht sie gefährlich – und erfolgreich. In den vergangenen 45 Jahren sind sie denn auch einen weiten Weg gegangen: Von George Romeros Night of the Living Dead, dem Urfilm des Genres, bis zu World War Z. Von der Low-Budget-Produktion aus dem 1968 bis zum Sommer-Blockbuster mit Brad Pitt.

Vieles an an World War Z ist vorhersehbar, was freilich kein echter Vorwurf sein kann. Genres wie der Zombiefilm zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass ein relativ begrenzter Grundstock von Plot-Elementen immer wieder neu varriiert wird. So auch hier: Die grosse Zombie-Plage ist über die Menschheit hereingebrochen und die Zivilisation bereits am Kollabieren, da wird ein auf Katastrophen-Einsätze spezialisierter Uno-Gesandter (Brad Pitt) losgeschickt, um die Ursache der Plage aufzuspüren.

Als Plot ist Pitts Schnitzeljagd quer über den Globus keineswegs originell, dennoch ist World War Z insgesamt eine wohltuende Überraschung. Denn Marc Forster hat sich in der Vergangenheit vor allem als Regisseur mehr oder weniger geglückter kleiner Filme mit einem gewissen Anspruch hervorgetan. Sein bislang einziger Ausflug in Genregefilde, der James-Bond-Film Quantum of Solace, zeugte dagegen von vollkommenem Unverständnis für seine Hauptfigur und wenig Gespür für filmische Action.

Und nun also World War Z, der mit einer ganzen Reihe dramaturgisch hervorragender, durchchoreographierter Actionszenen brilliert. Etwa das grosse Showdown, in dem Pitt eine Dreiergruppe anführt, die einen Labor-Komplex durchqueren muss, in dem die Zombies im Standby-Modus vor sich hindümpeln; verhängnisvollerweise reicht bereits das Geräusch einer zufallenden Tür, um die Monster aus diesem vegetativen Zustand aufzuschrecken. Das ist in der Anlage zwar bekannt, im spannungstreibenden Wechselspiel von Anspannung und kurzfristiger Erleichterung aber souverän inszeniert.

Wie so oft, wenn es ein B-Genre in die A-Liga schafft, ist auch World War Z, insgesamt eine polierte und abgeschliffene Version seiner vielen Vorgänger. Das charakteristisch Dreckige und Bösartige von Romero und Konsorten fällt oft dem Tempo der Inszenierung zum Opfer (überhaupt wartet der Film mit ungewöhnlich vielen rennenden Zombies auf). Doch ganz so leicht lassen sich die Untonten nicht unterkriegen, und so erfreut der Film immer wieder mit subversiven Momenten. Etwa wenn zu Beginn des Films ein uniformierter Polizist einen Einkaufsladen betritt, in dem die Meute längst am Plündern ist. Anstatt für Ordnung zu sorgen, macht sich der vermeintliche Freund und Helfer lieber selbst ans Hamstern von Nahrungsmitteln. Oder wenn Israeli und Palästinenser für einmal gemeinsam hinter dem Anti-Terror-Schutzwall Schutz suchen.

Sind solche Szenen offensichtlich gewollt, unterläuft der Film andernorts seine eigene Prämisse wohl eher unabsichtlich. Pitt akzeptiert seine Mission nur, weil seine Familie so lange vom Militär geschützt wird, wie er Zombieviren jagt. Just seine Nächsten werden sich aber als grösstes Hindernis entpuppen; Ehefrau Karen (Mireille Enos) ist wenig mehr als eine weinerliche Nervensäge, die immer dann aufs Satellitenhandy anruft, wenn ihr Ehemann besonders tief in der Klemme steckt. Pitts eigentliches Zuhause ist das Katastrophengebiet und seine wahre Seelengefährtin die toughe israelische Soldatin, der er kurz entschlossen den Arm abhackt, um eine Zombie-Infektion zu verhindern. Entsprechend sec fällt die Wiedervereinigung mit der angeblich so geliebten Familie am Ende aus. Zum Glück ist die Zombieplage noch nicht eingedämmt und eine Fortsetzung wahrscheinlich; es besteht somit Hoffnung, der Familie ein weiteres Mal zu entkommen.

Erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom .

World War Z in der Internet Movie Database.

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