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Dekonstruktion statt Transformation – Transformers: Dark of the Moon von Michael Bay

Ein netter Autobot
Ein netter Autobot.
Ein böser Decepticon
Ein böser Decepticon.
Noch so ein fieser Bursche
Noch so ein fieser Bursche.
Menschen gibt es übrigens auch noch
Menschen gibt es übrigens auch noch.

Wir haben immer gewusst, dass an der Sache was faul ist: Zwar hat die Mondlandung tatsächlich stattgefunden, der wahre Grund für das Apollo-Programm war aber der Absturz eines Transformer-Raumschiffes auf dem Erdtrabanten; an Bord eine unglaublich fortgeschrittene ausserirdische Technologie, die in den blechernen Händen der bösen Decepticons zur Versklavung der Menschheit führen würde.

Niemand erwartet von einem Sommerblockbuster wie Transformers 3 eine besonders origenelle oder gar intelligente Handlung. Dass auch im dritten Teil die guten gegen die bösen Riesenroboter antreten und um ein noch gefährlicheres ausserirdisches Dingsda kämpfen als in den vorangegangenen Teilen – geschenkt. Was aber einmal mehr irritiert, ist der dramaturgische Aufbau – oder vielmehr: dessen Nichtvorhandensein. Regisseur Michael Bay erscheint in Transformers 3 als konsequentester Vertreter eines Hollywood-Trends, an dessen Ende Filme ohne jeglichen Plot stehen. Ähnlich wie in der Pirates-of-the-Carribean-Reihe werden auch in Bays neuestem Film zwar unzählige Geschichten angerissen und Heerscharen von Figuren eingeführt, der Film interessiert sich aber nie für sie. Figurenentwicklung und Spannungsbögen sucht man vergebens. So ist die Idee, das amerikanische Mondfahrtprogramm in die Vorgeschichte einzubauen, ja durchaus witzig. Der Film nimmt sich aber nie Zeit, eine Szene wirklich auszuspielen, sondern hetzt atemlos vorwärts. Der Vorspann, bei dem wir unter anderem Präsident Kennedy und Robert McNamara in 3D bestaunen dürfen, verpufft deshalb wirkungslos.

Zwar schlägt Bay in seinem ersten 3D-Film einen nicht ganz so hysterischen Schnittrhythmus an wie sonst, dennoch sind die Szenen nur noch auf schrille Effekte hin ausgelegt – seien es Roboterschlachten, die üppigen Brüste und Lippen des englischen Modells Rosie Huntington-Whiteley oder die wenigen gelungenen Gags. Selbst sehenswerte Schauspieler wie John Turturro, Frances McDormand oder John Malkovich sind zu grellen Farbtupfern degradiert, die die Aufmerksamkeit des Publikums für einen Moment lang fesseln sollen, bis auch schon zu einem anderen Handlungsstrang umgeschnitten wird. Was bei diesem ständigen Hüpfen von einem Aufmerksamkeitspeak zum nächsten verloren geht, sind Atmosphäre, Figuren, Emotionen – kurz: alles, was Kino eigentlich ausmacht.

Was Bay in seinem Film mit viel Getöse demoliert, ist nicht weniger als das Fundament des weltweiten Erfolgs Hollywoods: Die Fähigkeit, eine simple Geschichte packend zu erzählen. Transformers 3 betreibt Dekonstruktion im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht haben wir uns in Bay ja grundsätzlich geirrt und der derzeitige König des Actionkinos ist in Wirklichkeit der letzte Avantgardist. Vielleicht ist er auch ganz einfach ein schlechter Regisseur.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 30. Juni 2011.

Transformers: Dark of the Moon in der Internet Movie Database.

3 Kommentare

  • 1
    Edgar Loesel:

    Treffend geschrieben! Im Tagesspiegel schreibt Jörg Wunder dagegen Sätze wie „Die Härte der Combat Action erinnert an James Camerons Sci-Fi-Klassiker Aliens – Die Rückkehr“ und trägt damit zu „Verblockbusterung“ der Filmkritik bei. Camerons Alien-Sequel ist zwar auch Action-Kino, aber bedeutend hintergründiger und stimmiger inszeniert als Michael Bays verfilmtes Spielzeug.

  • 2
    Simon Spiegel:

    Ich habe Wunders Kritik zufällig gerade gelesen und bin ein bisschen irritiert. Sätze wie „Mindestens ebenso wichtig ist das im Genrevergleich durchaus plausible Drehbuch mit pointierten Dialogen und einer geglückten Spannungskurve“ lassen mich vermuten, dass wir nicht den gleichen Film gesehen haben …

  • 3
    Edgar Loesel:

    Das erscheint mir im Genrevergleich durchaus plausibel 😉 Ich frage mich, was das denn überhaupt sein soll, ein „im Genrevergleich durchaus plausible(s) Drehbuch“? Mir scheint, dass es der positiven Besprechung von Wunder etwas an Klarheit mangelt. Da halte ich mich lieber an Ihre nachvollziehbare Kritk.
     

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