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Konkurrenz für Cruise – Mission: Impossible – Rogue Nation von Christopher McQuarrie

Tom Cruise auf dem Motorrad
Flottes Hemd, flottes Motorrad.

Seit man in Hollywood davon abgekommen ist, Sequels zu nummerieren, verliert man leicht den Überblick, die wievielte Ausgabe eines bestimmten Franchise einem gerade vorgesetzt wird. Tatsächlich ist Rogue Nation bereits der fünfte Film der Mission: Impossible-Reihe, und Hauptdarsteller und Co-Produzent Tom Cruise mittlerweile 19 Jahre älter als beim Einstand 1996.

Die Mission: Impossible-Filme sind ein Musterbeispiel dafür, wie sich Hollywood laufend dem Zeitgeist anpasst. Sucht man typische Merkmale, welche die fünf Filme verbinden, kommt erstaunlich wenig zum Vorschein. Neben der Titelmelodie und dem obligaten Einbruch ist es im Wesentlichen Tom Cruise als Geheimagent Ethan Hunt, der die Reihe zusammenhält. Alles andere ist austauschbar. Endete Hunts letzter Einsatz in Ghost Protocol mit der Enthüllung, dass seine tot geglaubte Ehefrau in Wirklichkeit noch lebte, hat man diese Figur mittlerweile stillschweigend abserviert. In Rogue Nation wird Hunt vom CIA gejagt und taucht mal eben ein halbes Jahr unter, seine Angetraute wird dabei mit keinem Wort erwähnt.

Rebecca Ferguson als Ilsa Faust
Mit Rebecca Ferguson ist nicht zu spassen.

Die Tonlage der Filme hat sich ohnehin von Folge zu Folge stark verändert. Brian De Palmas erster Film war noch am ehesten ein klassischer Agentenfilm, während John Woo im zweiten Teil ein überirdisches Action-Ballett inszenierte. Nach einer Pause von sechs Jahren brachte J. J. Abrams tougher Post-9/11-Film die Reihe dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Hier beliess sie der frühere Pixar-Regisseur Brad Bird allerdings nicht lange und inszenierte 2011 einen ebenso überdrehten wie vergnüglichen Film, der an die besten Zeiten von James Bond gemahnte.

Tom Cruise und Rebecca Ferguson
Tom Cruise muss wiederbelebt werden.

Christopher McQuarrie, der Cruise bereits in Jack Reacher als Actionhelden inszeniert hat, tariert die Reihe nun ein weiteres Mal neu aus und rückt sie wieder mehr in Richtung Agententhriller. Die Impossible Mission Fore (IMF) soll aufgelöst werden, obwohl die Bedrohung so akut ist wie noch nie: Eine besonders böse Geheimorganisation mit dem originellen Namen «Syndicate» hat alles unterwandert und bereitet schreckliche Dinge vor. Ihr genaues Ziel bleibt zwar unklar, überraschenderweise ist die verwickelte Story aber nicht reine Staffage, sondern hält genuin spannende Momente bereit. Für einmal interessiert es tatsächlich, wer mit oder gegen Hunt arbeitet, wer hier ein doppeltes oder dreifaches Spiel spielt.

Rebecca Ferguson und Tom Cruise
Zu zweit geht’s besser.

Dass dem so ist, liegt massgeblich an der schwedischen Schauspielerin Rebecca Ferguson, die als Hunts undurchsichtige Gegenspielerin Ilsa Faust agiert und Cruise locker die Schau stiehlt. Ferguson ist nicht nur die bessere Schauspielerin, ihre Figur ist zudem interessanter und sie hat auch die besseren Moves drauf als Cruise. Dieser absolviert zwar diverse Prügeleien, und auch eine rasante Verfolgungsjagd mit Auto und Motorrad darf nicht fehlen, insgesamt werden Cruises körperliche Fähigkeiten – die seine schauspielerischen schon immer deutlich übertrafen – aber deutlich weniger exzessiv inszeniert als bisher.

Liegt es am Alter – immerhin ist Cruise bereits 53 –, es ist zumindest auffällig, dass Regisseur und Drehbuchautor McQuarrie den Cruise-Faktor runterfährt und den Figuren um ihn herum mehr Raum gewährt. Zu den angestammten IMF-Kämpen Jeremy Renner, Simon Pegg und Ving Rhames gesellt sich neu noch Alec Baldwin hinzu, der zwar nicht allzu viel macht, dem man aber immer gerne zuschaut. Aber eben: Der eigentliche Star des Films ist Ferguson, und man fragt sich, ob sich mit diesem Film und Mad Max: Fury Road, in dem Charlize Theron den Titelhelden ebenfalls an die Wand spielte, ein neuer Trend abzeichnet. Erobern nun die weiblichen Helden das Actionkino? Zumindest ein weiterer Mission: Impossible-Film mit Cruise soll bereits geplant sein; bleibt zu hoffen, dass Agentin Faust nicht das gleiche Schicksal wie Frau Hunt ereilt.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 6. August 2015.

Mission: Impossible – Rogue Nation in der Internet Movie Database.

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