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Le Mépris von Jean-Luc Godard

Der berühmte Regisseur Fritz Lang (Fritz Lang spielt sich selbst), verfilmt für den grosskotzigen Produzenten Prokosch (Jack Palance) Homers Odyssee. Die beiden geraten sich über die Gestaltung des Filmes in die Haare. Während Prokosch einen publikumstauglichen Reisser will, möchte Lang ein künstlerisches Werk im Sinne Homers schaffen. Der junge Autor Paul Javal (Michel Piccoli in seinem Filmdebut) wird als Script-Doctor engagiert, er soll den schon im Dreh begriffenen Film noch einmal umschreiben. Javals junge Frau Camille (Brigitte Bardot) ist davon alles andere als begeistert. Ihre Enttäuschung über die Käuflichkeit Javals steigert sich in grenzenlose Verachtung, als dieser angesichts Prokoschs unverhohlener Annäherungsversuche ihr gegenüber vollkommen ungerührt bleibt, ja ihn sogar zu ermutigen scheint. Erst zum Schluss entschliesst sich Javal, das Drehbuch doch nicht zu schreiben. Doch sein leiser Protest kommt zu spät, Camille verlässt ihn und kommt mit Prokosch in einem Autounfall um.

Der Name Jean-Luc Godard besitzt für mich einen magischen Beiklang. Obwohl ich bisher lediglich den brillanten A bout de souffle gesehen habe, sah ich in Godard stets einen der grossen Erneuerer des Kinos, einen Rebell der bewusst mit bis anhin geltenden Konventionen brach und dem Medium Film Neuland entdeckte. Gross waren deshalb meine Erwartungen, als arte diesen Film anlässlich eines B.B.-Themenabends zeigte. Wenn ein bedingungsloser Kinonarr wie Godard mit einer solch hochkarätigen Besetzung einen Film übers Filmemachen dreht, konnte dabei eigentlich nur ein kleines Juwel herauskommen, so dachte ich jedenfalls.

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Le Mépris ist kein Juwel, er ist nicht einmal ganz nett, sondern ganz einfach schlecht. Dabei wäre die Grundidee des Films äusserst interessant. Neben dem Grundkonflikt eines jeden Regisseurs, dem ständigen Kampf zwischen künstlerischem Gewissen und finanziellen Zwängen, wollte Godard auch eine Reflexion über filmische Realitäten in Szene setzen. Die zwei Ebenen des Filmes, die Vierecksbeziehung zwischen Javal, Camille, Prokosch und Lang und die Odysseusgeschichte, verschmelzen im Laufe des Filmes immer mehr miteinander. Was zu einem filmischen Kabinettsstückchen hätte werden können, wirkt aber über weite Teile des Filmes seltsam distanziert und leblos, schlicht und ergreifend langweilig. Javal ist ein langweiliger Idiot, Camille liegt vorzugsweise nackt auf dem Bauch, streckt kess ein Bein in die Höhe und macht ihren berühmten Schmollmund, Lang erweist sich als intellektuelles Schwergewicht und zitiert in einem fort Dante, Hölderlin und Brecht, einzig Prokosch hat ein paar gute Sprüche auf Lager ("Gods. I love them. I know exactly how they feel.") Ein echtes Ärgernis sind die Dialoge, sie sind so künstlich und hölzern, dass es zum Haare raufen ist. In einer schier endlosen Szene versucht Javal, den Grund für den plötzlichen Hass seiner Frau zu ergründen. Was wahrscheinlich als realistischer Ehestreit gemeint war, wirkt in seiner steifen Unbeholfenheit schon fast wie eine Parodie. Auch für den Streit zwischen Lang und Prokosch konnte ich mich nur begrenzt begeistern. Die kurzen Ausschnitte die man von Langs Film zu sehen bekommt, lassen eigentlich nur hoffen, dass man sich dieses Machwerk nie anschauen muss, Le Mépris selbst ist da schon mehr, als der Zuschauer verkraften kann. Den letzten Rest gibt einem die absolut nervtötende Musik, die hoffnungslos kitschig ist und sich auch noch ständig wiederholt.

Wie ich es oft tue, nachdem ich einen "klassischen" Film zum ersten Mal gesehen habe, habe ich auch nach Le Mépris nachgelesen, was in der Fachliteratur zu Godards Werk zu lesen ist. Ein paar erhellende Hinweise konnte ich hier immerhin finden. Offensichtlich spiegelt Langs Situation im Film in vielerlei Beziehung auch Godards eigene Lage während der Produktion wieder. Le Mépris war Godards erster und auch einziger Versuch einer grossen Starproduktion. Die ständigen Meinungsverschiedenheiten mit den Produzenten führten dazu, dass Godard fortan keine Film mit grossem Budget mehr drehte. Viele Dialoge im Film entpuppen sich als Seitenhiebe auf Godards Geldgeber. Dazu gezwungen im Cinemascope-Format zu drehen (Lang im Film: "Es ist gut für Schlangen und Särge aber nicht für Menschen."), möglichst viel nackte Bardot zu zeigen (Javal: "Film ist etwas Tolles. Kaum läuft die Kamera hängen die Mädchen ihren nackten Hintern ins Bild."), und auch sonst viele Kompromisse zu machen, konnte Godard seine Vorstellungen nur ansatzweise verwirklichen. Das mag den Film zwar historisch interessant machen, eine echte Entschuldigung für einen schlechten Film ist es aber nicht. Wenn man bedenkt welche giftigen Attacken Wilder und Altman gegen das Hollywoodsystem mit der Hilfe eben dieses Systems drehen konnten, sieht Le Mépris noch schlechter aus.

Le Mépris in der Internet Movie Database

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