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Nepper, Schlepper Zwangsneurotiker – Matchstick Men von Ridley Scott

Taschendiebe und Trickbetrüger sind seit jeher ein Faszinosum, und im Kino schauen wir ihrem Treiben immer mit Freude zu. Wir sehen es einfach gerne, wenn auf der Leinwand jemand so richtig angeschmiert wird, wenn ihn seine Gier blind in die Falle tappen lässt, die zuvor kunstvoll für ihn errichtet wurde. Ganovenfilme, bei denen jeder jeden übers Ohr haut und man am Ende niemandem mehr trauen kann, haben eine lange Tradition. Ihre Protagonisten gelten denn auch nicht als skrupellose Gangster, sondern als raffinierte Schlitzohren, die die Schwächen ihrer Opfer auszunutzen wissen. Roy (Nicolas Cage), die Hauptfigur von Matchstick Men, nennt sich deshalb auch bewusst nicht Trickbetrüger, sondern Trick-Künstler. Allerdings ist dieser Roy ein ganz besonderer Vertreter seiner Profession. Er ist kein abgebrühter Gangster, der in jeder Situation die Übersicht behält, sondern ein Zwangsneurotiker, der eine Türe stets dreimal schliesst, sich kaum ins Freie wagt und den Telephonhörer vor Gebrauch immer abwischt. Wirklich ruhig ist Roy nur, wenn er gemeinsam mit seinem Partner Frank (Sam Rockwell) ahnungslose Opfer ausnimmt.

Das Gaunerduo macht mit überteuerten Wasserreinigern ganz gute Geschäfte, das grosse Geld ist aber woanders zu holen. Frank hat denn auch genug von den kleinen Brötchen und will endlich den grossen Coup landen; Roy ist dagegen, zu viel Aufregung gefährdet seinen geordneten Tagesablauf. Zumal sein Leben ohnehin aus den Fugen zu geraten droht. Auf Anraten seines neuen Psychiaters hat Roy Kontakt mit seiner Tochter Angela (Alison Lohmann) aufgenommen, von deren Existenz er bis dahin gar nichts wusste. Einen Streit mit ihrer Mutter später steht der quirlige Teenager auch bereits bei Roy auf der Matte und bringt sein verknorztes Leben ein bisschen auf Trab. Und wie man sich’s von Hollywood gewohnt ist, schütteln die unerwarteten Vaterfreunden Roy so richtig durch; plötzlich hat er wieder Spass am Leben und ist bereit für den grossen Fischzug. Dass damit die eigentlichen Komplikationen erst beginnen, versteht sich von selbst.

Matchstick Men ist eine Mischung aus klassischem Ganovenfilm und dem humoristischen Portrait eines Neurotikers à la As Good As It Gets. Jack Nicholson war gemäss Cage denn auch das grosse Vorbild bei der Gestaltung seiner Rolle. So seltsam sich diese Genre-Mixtur anhört, so wenig funktioniert sie, denn Roy wirkt einfach nicht überzeugend. Das liegt weniger an Cage, auch wenn dessen Ticks und Spleens teilweise ein wenig abgedroschen wirken, sondern vor allem am Drehbuch, das die Leiden des Protagonisten nach Bedarf an- und ausschaltet – so, wie es die jeweilige Szene eben gerade verlangt. Im einen Augenblick kollabiert Roy fast, weil jemand ein Fenster öffnet, kurz darauf ignoriert er, dass Angela den Teppich mit Pizzaresten übersät.

Wie es das Genre verlangt, geht der grosse Coup nicht so glimpflich über die Bühne wie geplant. Alles kommt anders, als man denkt, und fast jede Figur spielt ein doppeltes Spiel. Der Film kann in diesen Momenten seine Stärken durchaus ausspielen. Es gibt – wie immer, wenn Ridley Scott Regie führt – einiges fürs Auge, und vor allem der Schnitt weiss zu überzeugen: Die sorgfältig arrangierten Bilder gleiten zum coolen Sinatra-Soundtrack förmlich über die Leinwand. Der Film unterhält auch ganz gut: An witzigen und spannenden Momenten fehlt es keineswegs. Doch insgesamt funktioniert die Story einfach nicht und wirkt arg zusammengeschustert. Roys Wandlung vom psychisch kranken Kleinkriminellen zum liebevollen Vater geht eine Spur zu glatt vor sich; kommt hinzu, dass die ganze Sache gegen Ende unglaublich moralinsauer wird. Die Vaterliebe macht aus dem Kriminellen nicht nur einen gesetzestreuen Bürger, sondern heilt auch sein Leiden. So einfach ist das! Man verlässt das Kino mit dem Gefühl, vom Film übers Ohr gehauen worden zu sein.

Matchstick Men in der Internet Movie Database

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