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Das Biest und die Schöne – King Kong von Peter Jackson

Neunzig Prozent aller Remakes sind völlig überflüssige Geschäftemacherei, doch es gibt auch seltene Ausnahmen, die nicht aus kommerziellem Kalkül, sondern aus Liebe zum Original gemacht werden. – Nach seinem Erfolg mit Lord of the Rings lag Peter Jackson ganz Hollywood zu Füssen; er konnte machen, was er wollte, und er wählte King Kong, jenen Film aus dem Jahre 1933, den er als kleines Kind einst am Fernsehen gesehen hatte, und der – so geht die Sage – in ihm erst den Wunsch weckte, Filmregisseur zu werden.

Ein Liebesprojekt also, und wie wir von seiner epochalen Fantasy-Trilogie wissen, mündet Liebe zum Stoff bei Jackson immer in cineastische Höchstleistungen. Anders als das erste Remake von 1976 hat Jackson die Geschichte nicht aktualisiert, sondern in den depressionsgeplagten Dreissigern belassen: Dem Filmproduzenten Carl Denham – wunderbar schmierig: Jack Black – sind gerade Geldgeber und Hauptdarstellerin abgesprungen, was ihn aber nicht daran hindert, sein Projekt weiterzufverfolgen. Auf der Strasse trifft er die soeben entlassene Schauspielerin Ann (Naomi Watts), die er flugs engagiert, um mit ihr auf einer verschollenen Insel mit dem wenig einladenden Namen Skull Island zu drehen.

Skull Island entpuppt sich erwartungsgemäss als garstiger Ort, an dem die Evolution einige monströse Kapriolen geschlagen hat und furchteinflössende Wilde einen riesigen Affen namens Kong als Gott verehren. Die blonde Schönheit Ann sorgt bei den Eingeborenen für Aufsehen, und während Denham und seine Crew mit einem Sturm kämpfen, wird Ann in einer archaischen Zeremonie dem Riesenaffen als Opfer dargebracht.

Das tragische Monster
Das tragische Monster

Bis dahin sind schon fast anderthalb Stunden vergangen, und bei den meisten Filmen wäre nun auch schon Schluss: Der Held kämpft sich durch, tötet das Monster und segelt mit der Jungfrau in den Sonnenuntergang. – Doch genau hier beginnt das Wunder von Jacksons Film, denn der Riesenaffe ist keine Bestie und King Kong kein Monsterfilm, sondern ein Liebesdrama. Kong verliebt sich unsterblich in Ann, und diese Liebe wird zu seinem Untergang: Ehe sich’s der liebestolle Affe versieht, findet er sich als Attraktion am Broadway wieder und wird vom sensationslüsternen Publikum begafft.

Wie schon bei Lord of the Rings reüssiert Jackson auch dieses mal, indem er eine durch und durch märchenhafte Geschichte vollkommen ernst nimmt und furioses filmisches Erzählen mit atemberaubender Tricktechnik kombiniert: Seien es die Dinosaurier auf »Skull Island«, das digital rekonstruierte New York der Depressionszeit oder der Affe selbst, der Film überschlägt sich geradezu mit immer noch grandioseren Bildern. Jackson reiht einen Adrenalinschub an den nächsten, zertrümmert Autos und Häuser und veranstaltet die erste Dinosaurierkarambolage der Filmgeschichte.

Bei allem Spektakel bleibt King Kong aber die Tragödie zweier Liebender, die nicht zueinander kommen können, und wie alle grossen Liebesgeschichten endet auch diese tragisch. Wenigstens gönnt Jackson seinem Liebespaar noch eine romantische Eislaufpartie im verschneiten Central Park, bevor’s ans Sterben geht. Doch der kurze Moment des Glücks wird von einer Granate jäh unterbrochen. Kong weiss, dass ihm die Stunde geschlagen hat, er folgt seiner Bestimmung und klettert aufs Empire State Building, wo er nach einem heldenhaften Kampf seinen Tod finden wird – „It was beauty that killed the beast.“

Erschienen in der BZ vom 15. Dezember 2005.



King Kong in der Internet Movie Database

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