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Wenig Bouquet, fader Abgang – A Good Year von Ridley Scott

Es gibt viele Gründe, einen Film zu drehen. Die Aussicht auf ein paar schöne Monate in der Provence ist dabei sicher nicht der schlechteste – zumindest aus der Sicht derer, die den Film machen.

Max Skinner (Russell Crowe), der flinkste Hecht an der Londoner Börse, erfährt, kaum hat er mal wieder einen besonders gerissenen Coup gelandet, vom Tod seines Onkels Henry (Albert Finney). Henry hat jahrelang auf seinem Weingut in der Provence gelebt, und als einziger lebender Angehöriger erbt Max nun den Besitz. Obwohl Max seinen Onkel als Kind zärtlich geliebt hat und obwohl er tausend schöne Erinnerungen mit dem Ort verbindet, hat der seelenlose Börsenhai nur eines im Sinn: Schnell nach Frankreich jetten, dort den alten Kasten verkaufen und am Abend schon wieder in einer Londoner Bar Cognac nippen. Aber so einfach gehts natürlich nicht.

Russell Crowe geniesst das LebenKaum ist Max am Ort seiner Kindheit angekommen, beginnt auch er sich allmählich zu fragen, was den Zuschauer schon von Anfang an beschäftigt. Warum soll man einen so traumhaft schönen Ort, mit dem man so viele glückliche Erinnerungen verbindet, einfach verramschen? Es kommt, wie es kommen muss: Max lässt sich von der Landschaft, dem Wein und den Frauen bezirzen, und ehe wir uns versehen, steht der zynische Kapitalist als geläuteter Winzer da.

Nachdem das Duo Ridley Scott/Russell Crowe vor sechs Jahren mit Gladiator den Sandalenfilm wiederbelebt hat, wagen sich die beiden nun an ein neues Genre, bloss bleibt unklar, welches das sein soll. A Good Year hätte alle Voraussetzungen für eine leichte Komödie, bloss ist der Film nicht witzig, zumindest nicht witzig genug, um einen fast zwei Stunden lang bei der Stange zu halten. Dann gibt es natürlich die obligate Liebesgeschichte, doch ein Drama ist der Film schon gar nicht.

Was der ehemalige Werbefilmer Scott da in gewohnt schönen Bildern präsentiert, kann am ehesten noch als Werbefilm für die Provence durchgehen – durchsetzt mit Lebensweisheiten von Onkel Henry. Und wahrscheinlich zieht man aus A Good Year am meisten Genuss, wenn man das belanglose und in jeder Wendung absehbare Drehbuch von Anfang an ignoriert und sich stattdessen auf die Szenerie konzentriert. Dann wird aus Scotts Film zwar kein Meistwerk aber immerhin ein nett anzusehender Streifen über Wein, schöne Landschaften und schöne Frauen, der ruhig dahinplätschert, ohne einen gross zu stören.

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