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Und täglich grüsst das Alien – Edge of Tomorrow von Doug Liman

Starship Trooper Tom Cruise Der Engel von Verdun Noch ein Versuch

Wo genau die Grenze zwischen Plagiat und kreativer Bearbeitung eines vorhandenen Stoffes verläuft, lässt sich nur selten genau bestimmen. Sicher aber ist, dass Edge of Tomorrow dieser Grenze gefährlich nahekommt.Im Grunde ist der neue Film mit Tom Cruise nichts anderes als ein Science-Fiction-Remake des Komödienklassikers Groundhog Day. In Harold Ramis’ Film von 1993 war Bill Murray dazu verdammt, den gleichen Tag immer wieder aufs Neue zu erleben. Mit teilweise urkomischen Folgen. Zwanzig Jahre später hadert Tom Cruise mit dem gleichen Schicksal. Der grosse Unterschied: Befand sich bei Murray ein lokaler Feiertag im Replay-Modus, ist es bei Cruise der Auftakt zur grossen Invasion im Endkampf gegen feindliche Aliens.

Man könnte nun den Mangel an ­Ideen in Hollywood beklagen oder allerlei Verschwörungstheorien spinnen, ob zwischen dem Filmprojekt und dem Tod von Harold Ramis im vergangenen Februar ein Zusammenhang besteht. Wobei allerdings anzumerken ist, dass der Film offiziell auf einem 2004 erschienenen japanischen Jugendroman beruht.

Lässt man das kleinliche »Wer hats erfunden?« beiseite und wendet sich dem Film zu, entpuppt sich dieser als witzige Variation der Grundidee. Für den von Cruise verkörperten Bill Cage, einen Major ohne jegliche Kampferfahrung, den es auf eher ungewöhnliche Weise ins Kriegsgetümmel verschlägt, ist die Möglichkeit des ständigen Resets natürlich erst einmal ein Segen. Beim ersten Durchlauf wird er nach wenigen Minuten dahingerafft, doch nach zahlreichen Neuversuchen entwickelt er sich zur Kampfmaschine, die stets im Voraus weiss, was der Gegner tun wird. Vor allem aber erkennt er, dass er nicht der Einzige ist, der von der Möglichkeit des Resets weiss. Ausgerechnet die legendäre Soldatin Rita Vrataski (Emily Blunt), wegen ihrer Heldentaten allseits als Engel von Verdun bekannt, verfügte einst über dieselbe Fähigkeit. Und auch die Aliens wissen, was läuft, und versuchen entsprechend, Cage auszutricksen.

Waren bei Groundhog Day nur Murray und das Publikum im Bilde, sind es nun also drei Parteien, was die Sache komplizierter, aber auch interessanter macht. Etwa wenn Cage Vrataski in einer Szene allmählich näherkommt, bis dem spröden Engel und dem Zuschauer gleichzeitig dämmert, dass dies der x-te Versuch sein dürfte, bei der Kampfgefährtin zu landen.

Einzig beim grossen Showdown und dem Design der fiesen Ausserirdischen fällt dem Film wenig Interessantes ein. Ansonsten ist Edge of Tomorrow aber ein Blockbuster, der die Balance zwischen Plot, Action und Humor über weite Strecken halten kann, und auch die obligate Liebesgeschichte wirkt nicht wie eine reine Pflichtübung. Ja, selbst Tom Cruise hält sich wohltuend zurück und verfällt nur selten in seinen gefürchteten Grosse-Gefühle-Modus. Mit 51 Jahren sollte er für ­Actionrollen eigentlich langsam zu alt sein, aber es scheint fast, als verfüge er auch im realen Leben über einen Reset-­Knopf, der ihm stets von Neuem ein ­bubenhaftes Aussehen beschert

Erschienen in der Basler Zeitung vom 28. Mai 2014.

Edge of Tomorrow in der Internet Movie Database.

2 Kommentare

  • 1
    Edgar Lösel:

    Nachdem ich mir „Edge of Tomorrow“ im Kino angeschaut habe, lese ich nun Ihre ausgewogene Besprechung, der ich nur vorbehaltlos beipflichten kann. Sicher gewinnt der Film keinen Blumentopf für Originalität der Grundidee, aber die Ausgestaltung ist durchaus gelungen. Insbesondere mit seinem durchaus humorvollen Auftakt als aalglatter Drückeberger hat mich Tom Cruise angemehm überrascht.

  • 2
    Oktober-Update - Utopia 2016:

    […] verschiedenen Texten vertreten. Neben erweiterten Versionen von Filmkritiken zu Snowpiercer und Edge of Tomorrow, die bereits früher auf meiner Website veröffentlicht wurden, möchte insbesondere auf die […]

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