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Vom Himmel hoch, da komm’ ich her – The Day the Earth Stood Still von Scott Derrickson

The Day the Earth Stood Still (1951)
Klaatu und sein Raumschiff im Jahre 1951

Dass die Menschheit je mit Ausserirdischen in Kontakt treten wird, ist zwar wenig wahrscheinlich, dass eine solche Begegnung alles andere als unproblematisch sein dürfte, scheint aber plausibel. Allerdings kann man bei einer technisch überlegenen Rasse, die es quer durchs All zu uns schafft, auch ein gewisses Mass an Intelligenz voraussetzen. Und dazu würde etwa gehören, dass man nicht einfach mal unter grossem Getöse im Central Park landet, sondern die Menschen im Voraus über seine Absichten in Kenntnis setzt. Umgekehrt kann man sogar von der amerikanischen Regierung erwarten, dass diese mit einem ausserirdischen Botschafter freundlich umzugehen versucht.

Beide Prämissen gelten in The Day the Earth Stood Still nicht: Der intergalaktische Emissär Klaatu (Keanu Reeves) wird nach seiner Ankunft von der Armee umgehend in Gewahrsam genommen. Klaatu selbst hält aber ohnehin wenig von diplomatischem Takt. Als man ihm seine Bitte abschlägt, vor den Vereinigten Nationen zu sprechen, leitet er kurzerhand die Vernichtung der Menschheit ein.

Robert Wises Film von 1951 gilt zwar gemeinhin als Science-Fiction-Klassiker, wirkt heute allerdings ziemlich blutleer. Immerhin wartete der Film damals aber mit einem der ersten friedlichen Ausserirdischen und einigen stilprägenden Bildern auf. Scott Derricksons Remake gelingt es erstaunlich gut, viele dieser klassischen Momente des Originals aufzunehmen und ihnen eine neue Funktion im Film zu geben; so hat der titelgebende Tag, an dem die Erde still steht nun eine ganz andere Bedeutung und auch die Neuauflage des ikonischen Riesenroboters GORT ist visuell gelungen. Inhaltlich hat man aber einiges geändert: In der Urfassung warnte Klaatu die zur Atommacht aufgestiegene Menschheit davor, ihre Zwistigkeiten nach aussen – ins All – zu tragen, mehr als 50 Jahre später ist der Kalte Krieg Geschichte und aus dem Proliferations-Gegner ist ganz zeitgeistgemäss nun ein radikaler Umweltaktivist geworden. Nicht den Weltraum gilt es zu schützen, die Erde selbst muss nun vom verheerenden Einfluss der Menschen bewahrt werden.

The Day the Earth Stood Still (2008)
Klaatu und sein Raumschiff im Jahre 2008

Aber nicht nur seine Mission hat sich verändert, auch Klaatu selbst ist nicht mehr der Gleiche. Bei Wise wimmelte es nur von Jesus-Anspielungen; der Mann vom Himmel war ziemlich offensichtlich religiös konnotiert. Von derartigem Firlefranz will die neue Version nichts wissen. Reeves erinnert vom Aussehen her mehr an einen Weltraum-Consultant als an einen himmlischen Gesandten, und sein Besuch zieht auch weitaus mehr Zerstörung nach sich als früher. Interessanterweise wird in diesem grimmigen Update aber umso deutlicher, wie wenig Handlung der Plot hergibt. Vor allem, da nicht ersichtlich wird, warum Klaatu die Menschen am Ende doch noch ins Herz schliesst. Der emotionale Kern der Geschichte, die Annäherung zwischen Menschen und Ausserirdischem, wird gar nie berührt, sondern bleibt blosse Behauptung.

Erschienen in der Basler Zeitung.

The Day the Earth Stood Still in der Internet Movie Database

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