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Laute Ferngespräche – Body of Lies von Ridley Scott

Leonardo DiCaprio
Leonard DiCaprio am Telephon

Seit in Hollywood die nikotinfreien Zeiten angebrochen sind, ist den Schauspielern ein wichtiges Utensil abhanden gekommen: Der Glimmstengel war, gerade wenn es darum ging, jemanden als harten Kerl zu charakterisieren, ein elementares Werkzeug des Filmschauspiels. Es scheint nun, als würde das Handy allmählich den Platz der Zigarette einnehmen. Zumindest in Ridley Scotts aktuellem Thriller Body of Lies dient es dazu, ein klares Bild der beiden Protagonisten zu zeichnen. Während Ed Hoffman (Russell Crowe) lässig einen Knopf im Ohr hat und mit halbvollem Mund etwas in das herunterhängende Kabel murmelt, hält sich Roger Ferris (Leonado DiCaprio) sein Mobiltelefon in Momenten emotionaler Anspannung wie ein Mikrophon vor den Mund, um wütend reinzubrüllen.

Und diese Momente sind häufig; schliesslich ist Ferris ein Agent im Nahen Osten, ein Bodenarbeiter vor Ort, der die Drecksarbeit verrichtet, während der Zyniker Hoffman im fernen Langley sitzt und seine politischen Spiele spielt. Es ist das altbewährte Muster: Würde man ehrliche, hart arbeitende Männer wie Ferris nur ihren Job machen lassen, dann wäre alles in Ordnung. Denn er weiss, wie die arabische Seele tickt, er könnte das Kunststück schaffen, sich mit den Einheimischen auf guten Fuss zu stellen und gleichzeitig den Oberterroristen zu Fall zu bringen. Allein die Politiker und Bürokraten zu Hause vermasseln die Tour immer wieder aufs Neue.

Russell Crowe
Russell Crowe am Telephon

In seinen besten Momenten wirkt Body of Lies wie eine auf Mainstream getrimmte Version von Syriana, und DiCaprios Rolle erinnert nicht nur in der obligaten Folterszene an jene George Clooneys, für die dieser damals mit dem Oscar ausgezeichnet wurde; allerdings ist es hier nun Crowe, der sich einen Bauch anfressen durfte. Doch insgesamt kann Scott seinem Vorbild nicht das Wasser reichen. Während es Syriana gelang, zumindest eine Ahnung des Gewirrs unterschiedlichster Interessen zu vermitteln, die im Nahen Osten aufeinander treffen, dient die politische Situation in Body of Lies nur als malerischer Hintergrund für einen eher konventionell gestrickten Actionthriller. Das ist wie immer bei Scott handwerklich gut gemacht, bleibt aber zu mechanisch, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Warum etwa Hoffman seinem besten Mann immer wieder in die Parade fährt, ist nicht wirklich einsichtig und scheint primär dramaturgisch begründet: Irgendeinen Grund muss DiCaprio ja haben, um ins Telefon zu schreien. Und auch das Ende, das mit einem veritablen Deus ex machina aufwartet, wirkt mehr unbefriedigend als überraschend.

Erschienen in der Basler Zeitung.

Body of Lies in der Internet Movie Database

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