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Die Sinnlichkeit von Plastilin und Gemüse – Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit von Steve Box und Nick Park

Nach Chicken Run ist Plastilinmagier Nick Park – neuerdings unterstützt von Koregisseur Steve Box – wieder zu seinen Anfängen zurückgekehrt und beschert uns das bislang längste Wallace und Gromit-Abenteuer. Dieses Mal dreht sich alles um Gemüse: Wallace und sein treuer Hund Gromit sind mittlerweile ins Gemüse-Security-Business eingestiegen und sorgen dafür, dass die zahlreichen Hobbygärtner in der Nachbarschaft des Nachts ruhig schlafen können. Denn zur Nervosität gibt es allen Grund, schliesslich steht das jährliche Gemüsefestival an und allerorten laueren hinterhältige Kaninchen.

Mancherorts ist man ja immer noch der irrigen Meinung, Animationsfilme wären Kinderkram, gerade mal für einige Lacher gut. Weit gefehlt! Zumindest wenn die Protagonisten Wallace und Gromit heissen, ist Plastilinanimation ganz grosses Gefühlskino. Ein so ausdrucksstarkes Gesicht wie das des stummen Gromits sucht man unter menschlichen Schauspielern vergebens: Was dieser Knetmassehund mit einem einzigen Stirnrunzeln oder Augenverdrehen aussagen kann, und mit welch unglaublicher Zärtlichkeit er seine Riesenzuchetti hegt und pflegt – da kann sich manche Hollywoodschnulze eine Scheibe davon abschneiden.

Aber selbst ein so herausragender Mime wie Gromit wäre nur halb so wie viel wert ohne ein Ensemble, das ihn trägt, und deshalb sei auch Wallace ein Kränzchen gewunden, der den etwas tapsigen und unsensiblen englischen Spiesser mit Hingabe spielt. Wallace ist es auch, der die Ereignisse überhaupt ins Rollen bringt, indem er mittels einer Gedankenübertragungsmaschine ein Kaninchen von seiner Vorliebe für Gemüse heilen will. Der Versuch schlägt fehl, und schon bald macht ein schreckliches Wer-Kaninchen die Gärten unsicher. Seltsam, dass der Käsenarr Gromit ausgerechnet jetzt einen ungewöhnlichen Appetit für Gemüse entwickelt…

Als wäre das noch nicht genug, hat Wallace auch an der Liebesfront zu kämpfen: Lady Tottington, ihrerseits ebenfalls eine grosse Liebhaberin von Grünzeugs und Schutzherrin des Gemüsefestivals, verdreht dem Junggesellen gehörig den Kopf, was wiederum den Zorn des aufgeblasenen Adelscasanova Victor Quartermaine entfacht. Probleme ohne Ende also, und ausbaden darf’s am Ende wieder der arme Gromit.

Technisch haben Park und seine Mannen – 250 Mitarbeiter waren an dem Film beteiligt – noch einmal eins drauf gegeben: Waren die Bewegungen der Figuren schon in den vergangenen Filmen perfekt, hat man dieses Mal gehörig am Drumherum gefeilt: Spektakuläre Kamerafahrten, fliegende Kaninchen, Nebelschwaden und raffiniertes Licht. Mit Handarbeit allein ist das nicht mehr zu machen, doch fügt sich die Computertechnik nahtlos in den Film ein, der dadurch nichts von seinem handgemachten Charme verliert. Ohnehin: 30 Animatoren haben für den Film 2.8 Tonnen Plastilin verknetet – die Sorge, dass Wallace und Gromit bald komplett digitalisiert werden könnten, ist da wohl mehr als unbegründet.

Wichtiger als die Technik ist ohnehin, dass auch in der neusten Auflage die Essenz von Wallace und Gromit erhalten geblieben ist: Figuren, die man am liebsten den ganzen Tag knuddeln möchte, und viel Liebe zum Detail. Alleine die Garderobe von Lady Tottington – zahlreiche Meisterstücke vegetarischer Schneiderkunst – hätte einen Oscar für die besten Kostüme verdient.



Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit in der Internet Movie Database

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