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Ein Held wie du und ich – Spider-Man 2 von Sam Raimi

Dass Spider-Man, Sam Raimis Blockbuster von 2002, aus der Masse der unzähligen Superheldenfilmen herausstach, lag in erster Linie am Haupdarsteller: Tobey Maguire erwies sich als Idealbesetzung für den von einer mutierten Spinne gebissenen Peter Parker. Ihm, dem netten Jungen von nebenan, nahm man die Unsicherheit, die Überforderung angesichts seiner Superkräfte jederzeit ab. Auch wenn die eigentliche Story des Films nur guter Durchschnitt war, darf Spider-Man doch als eine der besten Comicverfilmungen überhaupt gelten. Dass es eine Fortsetzung geben würde, war schon bereits am Ende des ersten Teiles klar; das ganze Drehbuch war auf ein Sequel hin aufgebaut. Und da das Publikum in Massen strömte, kommt nun der zweite Teil mit praktisch unverändertem Produktionsteam ins Kino.

Zu Beginn ist Peters Leben ein einziges Chaos: Superheldentum, Studium und Nebenjob unter einen Hut zu bringen, ist schon schwierig genug, da bräuchte es nicht auch noch ein verkorkstes Liebesleben. Aber Peter verzehrt sich noch immer nach Mary Jane – einmal mehr bezaubernd: Kirsten Dunst –, hat aber Angst vor einer echten Beziehung. Zeitmanagment und die Frage, was man im Leben eigentlich will: Karriere, Berufung oder Liebe. Was Peter durchmacht, sind die typischen Probleme eines jeden jungen Menschen, und Maguire schafft es wieder, den Jedermann Peter, der nur durch Zufall eine aussergewöhnliche Gabe besitzt, glaubwürdig zu verkörpern.

Der Auftakt, als Peter mit seinem Alltag hadert, ist der stärkste Teil des Films. Die Figuren wirken plausibel, es gibt einige spektakuläre Hüpfpartien durch die New Yorker Strassenschluchten, und ganz nebenbei erfahren wir noch, dass Heldenkostüme beim Waschen abfärben. Der Film kommt locker-witzig daher, und es ist eine wahre Freude, dem eingespielten Ensemble zuzusehen.

Es gehört zu den eisernen Regeln des Genres, dass ein Superheld einen Superschurken zum Gegner haben muss. Der heisst dieses mal Dr. Otto Octavius, ist Spezialist für Fusionsreaktoren und wird von Alfred Molina verkörpert. Aus nur schwer nachvollziehbaren Gründen benutzt Octavius bei seiner Arbeit künstliche Tentakel, und natürlich geht bei einem Versuch was schief, und schon ist aus dem netten Wissenschaftler Doc Ock geworden, ein wahnsinniger Verbrecher mit vier künstlichen Gliedmassen.

Es wäre falsch, von einem Film wie Spider-Man 2 Realismus verlangen zu wollen, aber Doc Ock kann einfach nicht überzeugen; weder seine Entstehung, noch seine Motive. Im Gegensatz zu Peter Parker und zahlreichen Nebenfiguren erwacht ausgerechnet der Bösewicht nie zum Leben. Peter hat derweil andere Sorgen: Mary Jane will heiraten – allerdings nicht ihn –, und seine Spinnenkräfte lassen ihn neuerdings im entscheidenden Moment im Stich. Schliesslich entschliesst sich Parker, das Superheldentum aufzugeben; sein Kostüm landet in der Mülltonne – dass es dort nicht lange bleiben wird, versteht sich von selbst.

Die Fans des ersten Teils werden zwar auf ihre Kosten kommen, insgesamt ist Spider-Man 2 aber unausgeglichen. Der Film ist immer dann am besten, wenn er verhältnismässig unspektakulär ist und den Figuren Raum lässt. Sobald er aber den Genrezwängen folgt und die typischen Storyelemente abspult – Bösewicht, Menschheit und Mädchen in Gefahr, Rückbesinnung auf Heldentugenden, grosses Showdown –, wirkt er wenig inspiriert. Dennoch: Innerhalb seines Genres gehört auch der zweite Teil der Spinnensaga zum Besten, was Hollywood bislang vorgebracht hat.

Spider-Man 2 in der Internet Movie Database

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