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Pechschwarz und todlangweilig – Sin City von Robert Rodriguez und Frank Miller

In Frank Millers Comiczyklus Sin City dreht sich alles um die titelgebende sündhafte Stadt, in der in bester film noir-Manier einsame Antihelden in finstere Geschichten schlittern; eine Stadt des Verbrechens, von Miller in unnachahmlichen Schwarzweisszeichnungen festgehalten. Robert Rodriguez hatte keine leichte Aufgabe, als er sich entschloss, den Comic zu verfilmen, denn wie – so die grosse Frage – lässt sich dieser Stil, der den Reiz der Serie eigentlich ausmacht, auf den Film übertragen?

Miller hatte bereits schlechte Erfahrungen mit Hollywood gemacht und wollte nie wieder in eine Verfilmung einwilligen, Rodriguez konnte ihn aber mit einer geballten Ladung Technik überzeugen: Sin City wurde komplett digital vor Greenscreen gefilmt, das heisst, die Schauspieler agierten nur vor einem grünen Hintergrund, der ganze Rest – Einrichtung, Hintergrund, Landschaft – wurde nachträglich am Computer hinzugefügt, und auch die Schauspieler blieben nicht vor der einen oder anderen digitalen Retusche verschont.

Das Ergebnis wirft den Zuschauer erst einmal um: Rodriguez, der auch für Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet, hat Millers düsteren Strich kongenial zum Leben erweckt, reale Schauspieler werden hier zu Zeichnungen, oder wird doch der Tuschestrich lebendig? Die digitale Technik ermöglicht auf jeden Fall eine einmalige Vorlagentreue, schon fast sklavisch folgt Rodriguez Miller, Seite für Seite, Bild für Bild. Alles ist da: Die scharfen Kontraste und die grotesken Gestalten – jene Mischung aus Naturalismus und Stilisierung, die den Comic ausmacht. Von einer Verfilmung kann man hier schon fast nicht mehr sprechen, eher von einer Erweckung; nicht umsonst teilt sich Rodriguez den Regie-Credit mit Miller.

Die Treue hat aber nicht nur eine anfänglich fast berauschende visuelle Qualität zur Folge, sondern lässt leider auch die Schwächen der Miller’schen Vorlage deutlich hervortreten. Sin City setzt sich aus den ersten drei Bänden der Serie zusammen und verknüpft deren Geschichten in Pulp Fiction-Manier miteinander. Leider sind sich die drei Episoden allzu ähnlich: Stets ist da ein zwischen die Fronten geratener Einzelgänger mit Schmirgelpapierstimme, eine zwielichtige Schöne mit perfektem Hintern und eine düstere Verschwörung, die in einen blutigen Showdown mündet. Beim dritten Durchgang hat das der Letzte begriffen, Langeweile macht sich breit, und daran kann weder die visuelle Grandezza noch das beeindruckende Schauspieleraufgebot etwas ändern. Ohnehin macht es wenig Unterschied, ob wir Mickey Rourke oder Bruce Willis zusehen, die Figuren sind derart auswechselbar.

Sin City dürfte nicht nur die Frage nach der Zukunft der Filmtechnik, sondern auch die Diskussion um Gewalt im Kino neu entfachen, denn Blut ist in diesem Film wirklich nur noch ein ästhetischer Effekt. Miller ist für seine Verachtung gegenüber allem politisch Korrektem bekannt und eckt gerne mit drastischen Bildern an. Die Warnrufe der besorgten Moralapostel sind in diesem Fall aber grundlos, denn wie die Geschichte verleiden einem auch die Splattermomente bald einmal. Was zu Beginn noch überraschen und vielleicht auch schockieren mag, wird schnell vorhersehbar. – Rodriguez’ Film ist ein seltsames Ding: Technisch und formal zweifellos ein Markstein, doch wenn man sich mal von der visuellen Pracht erholt hat, entpuppt sich Sin City als langweiliger und eigentlich ziemlich dummer Streifen.

Erschienen in der BZ.



Sin City in der Internet Movie Database

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