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Die Welt als Donut – The Simpsons Movie von David Silverman

Ein persönliches Statement vorneweg: Ich liebe die Simpsons. Ich halte Matt Groenings Serie für einen Höhepunkt der abendländischen Kultur, für das Medium Fernsehen ungefähr gleich bedeutend wie Shakespeare für das Drama oder Goethe für die Literatur. Würden nicht jeden Abend auf diversen Sendern die neusten Geschichten aus Springfield gezeigt, ich bräuchte überhaupt keinen Fernseher. Die Simpsons sind für mich Religion, Droge und Aufheiterung in dunklen Momenten zugleich. Wenn ich manchmal unmotiviert zu kichern beginne, dann meist, weil ich gerade an einen besonders gelungenen Gag meiner gelben Freunde denke; nur wenige Menschen aus Fleisch und Blut stehen mir so nahe wie dieser faule, dumme, egoistische Vielfrass namens Homer Simpson. Folgen wie jene, in der Homer meint, an einer Kugelfischvergiftung sterben zu müssen, rühren mich zu Tränen.

Homer Simpson

Und nun also der Kinofilm. Ein sinnloses Unterfangen im Grunde, gegenüber den Höhepunkten der Serie – und derer gibt es viele – kann er nur abfallen; besonders, wenn man daran denkt, dass die Simpsons auch auf der Mattscheibe ihre besten Jahre hinter sich haben. Irgendwo zwischen Staffel 12 und 14 sind die Ideen ausgegangen, waren alle Geschichten aus Springfield erzählt. Simpsons-Erfinder Matt Groening hätte der Welt gelbste Familie ohnehin lieber zugunsten von Futurama abtreten lassen. Allein, das Fox-Studio wollte es anders, und nun hecheln sich Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie bereits durch die 19. Staffel.

The Simpsons Movie tritt somit mit einer schweren Hypothek an, und wenn man dies berücksichtigt, ist das Ergebnis durchaus annehmbar. Sicher, das Thema Umweltverschmutzung ist nicht neu – man erinnere sich, wie Lisa einst auf einem Baum ausharrte, um ihn vor dem Abholzen zu bewahren, oder damals, als Springfield wegen Müllüberflutung einfach an einen neuen Ort verlegt wurde –, aber die Idee, der Stadt wegen akuter Kontaminationsgefahr eine Käseglocke überzustülpen, ist ganz witzig. Auch fehlt es nicht an den geliebten ironischen und selbstreflexiven Momenten. Gleich zu Beginn – die Familie sieht sich den neusten Itchy-und-Scratchy-Film im Kino an – beschwert sich Homer lautstark darüber, dass nur ein Idiot Eintritt für etwas bezahlt, das er am Fernsehen gratis sehen kann.

Die grosse Stärke des Films sind die Zeichnungen. Wenn auch die Farben teilweise ein bisschen zu lieblich ausgefallen sind, wird die Serie visuell locker übertrumpft. Szenen wie die halsbrecherische FKK-Skateboardfahrt Barts oder der Aufmarsch eines mit Fackeln bewaffneten Lynchmobs sind prächtiger und aufwendiger geraten, als es mit dem begrenzten Budget einer Fernsehproduktion je möglich wäre.

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein, der Storystrang, in dem Bart beschliesst, dass Ned Flanders der bessere Vater wäre, ist ein Affront für alle Kenner. Denn Bart und Lisa waren bereits einmal in der Obhut der Flanders und wissen, dass es dort – anders als im Film dargestellt – nie heisse Schokolade mit Eis und Sahne gibt, sondern lediglich geschmacklosen Magerquark. Und natürlich ist es auch Unsinn, dass Moes Bar neuerdings direkt neben der Kirche liegt, und auch das Hochzeitsvideo von Homer und Marge sieht ganz anders aus als im Film gezeigt. – D’oh!

Man muss dem Film aber zugute halten, dass er – anders als viele vergleichbare Unternehmen – nie wirklich durchhängt oder fantasielos die Vorlage plündert. Die Geschichte ist kein Geniestreich, aber in sich geschlossen; im Vergleich zur Serie ist The Simpsons Movie guter Durchschnitt. Fans werden sich den Streifen ohnehin ansehen, und wer die Simpsons erst mit dem Film kennen lernt, für den bietet sich vielleicht die Chance, doch noch zum rechten Glauben zu finden. – Screw Flanders!



The Simpsons Movie in der Internet Movie Database

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