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Auf der Suche nach dem Sinn – Point Break von Ericson Core

Luke Bracey

Auf der Suche: Luke Bracey als Johnny Utah.

Point Break, das war 1991 ein Surfer-Thriller mit Keanu Reeves und Patrick Swayze. Ein Film für Männer über Männer – inszeniert von einer Frau. Kathryn Bigelow empfahl sich damit einmal mehr als Spezialistin für testosterongeladene Männlichkeitrituale, und stilisierte insbesondere Swayze als Anführer einer Gruppe surfender Bankräuber zu einer Art Spät-Hippie-Actionheld.

Ein Vierteljahrhundert später hat der Film ein zeitgeistiges Upgrade erfahren: Nicht nur trägt nun jede Figur, die etwas auf sich hält, grossflächige Tattoos, die vom FBI-Agenten Johnny Utah (Luke Bracey) gejagte Räuberbande beschränkt sich zudem längst nicht mehr aufs Surfen, sondern frönt vom Fallschirmspringen übers Snowboarden bis zum Freiklettern so ziemlich jeder Extremsportart. Vor allem aber wurde der ideelle Einsatz deutlich erhöht. Aus den Aussteigern sind nun veritable Ökophilosophen geworden, die in ihren halsbrecherischen Aktivitäten nicht weniger als den Weg zur Erleuchtung suchen.

Das Ergebnis ist eine unfreiwillig komische Mischung aus Red-Bull-Werbespot und Poesiealbum-Sprüchen. Zwischen aufwendig inszenierten Surf- und Snowboard-Clips faselt Gang-Leader Bodhi (Édgar Ramírez) unentwegt etwas von Gleichgewicht und von Pfaden, die es zu suchen respektive denen es zu folgen gilt. Als Zuschauer fühlt man sich bald wie Johnnys von Delroy Lindo gespielter Vorgesetzter, der bloss ungläubig glotzen kann, als dieser die Weltanschauung von Bodhis New-Age-Einbrechern darlegt.

Skydiving

Über den Wolken …

Bigelows Stärke bestand seit jeher darin, durch eine besonders intensive Inszenierung der Oberfläche, diese zugleich zu zelebrieren und zu unterlaufen. Die Brüchigkeit des Machotums ihrer Figuren wurde just in seiner extremen Stilisierung sichtbar. Regisseur Ericson Core, von Haus aus eigentlich Kameramann, hat zwar kein Problem mit Oberflächlichkeit, fühlt sich aber dennoch bemüssigt, zudem noch in die Tiefe zu gehen; oder eher dem, was er wohl für Tiefe hält.

Jenseits der Actionszenen ist Point Break eine einzige Ansammlung vermeintlich tiefsinniger Sentenzen. Der eigentliche Plot – der ja nicht so kompliziert wäre – geht dabei weitgehend verloren. Irgendwann fragt man sich, was dieses Selbsterfahrungsseminar für verunsicherte Männer noch mit den Einbrüchen zu tun hat, die Johnny ursprünglich aufklären sollte.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 21. Januar 2016.

Point Break in der Internet Movie Database.

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