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Kurs auf Profit – Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides von Rob Marshall

Johnny Depp und Penélope Cruz.
Johnny Depp und Penélope Cruz.
Geoffrey Rush ist auch wieder mit von der Partie.
Geoffrey Rush ist auch wieder mit von der Partie.
Der Film ist übrigens in 3D.
Der Film ist übrigens in 3D.
Die hinterhältigen Meerjungfrauen.
Die hinterhältigen Meerjungfrauen.

Im dritten Teil der Pirates-of-the-Caribbean-Reihe stand es schlecht um den Berufsstand der Piraten: Grosskapital und Krone räumten rücksichtslos mit dem wilden Treiben auf See auf, für Individualisten vom Schlage eines Jack Sparrows hatte es in dieser Welt keinen Platz mehr. Es entbehrte freilich nicht der Ironie, dass dieser Abgesang auf die freibeuterischen KMU auch heute, im Zeitalter nach Avatar, noch als teuerster Film aller Zeiten gilt und von Disney produziert wurde, dem Inbegriff des globalisierten Unterhaltungskonzerns.

Bei Disney hat man das Konzept der Franchise, bei dem eine erfolgreiche Idee über möglichst viele Kanäle kommerziell ausgeschlachtet wird, schon früh perfektioniert. Standen bei Mickey und Konsorten noch die Filme am Anfang und Vergnügungsparks wie Disneyland am Ende der ökonomischen Kette, ging man bei Pirates of the Carribean den umgekehrten Weg: Gore Verbinskis erster Film basierte auf einer erfolgreichen Freizeitparkattraktion. Dass bei Disney die Filme nicht mehr im Zentrum stehen, zeigte sich auch in den jüngsten Quartalszahlen des Mäusekonzerns: Während die Gewinne der Themenparks sprudeln, verbuchte die Filmsparte einen deutlichen Umsatzrückgang.

Umso erstaunlicher, wie frisch und unterhaltsam der 2003 erschienene The Curse of the Black Pearl daherkam. Wer für den Erfolg des Filmes verantwortlich war, war dabei offensichtlich: Johnny Depp. Seine Interpretation des Piraten Jack Sparrow, die stets zwischen Komödie, Parodie und heiligem Ernst oszillierte, hielt den Film zusammen, machte ihn zu einem vergnüglichen Sommerspass. Das übrige Personal war da beinahe beliebig. So erstaunt es denn auch nicht, dass im vierten Teil eine weitgehend neue Crew angeheuert hat: Regisseur Verbinski hat mit Rango (bei dem Depp der Hauptfigur die Stimme lieh) ins Animationsfach gewechselt, Orlando Bloom und Keira Knightley haben die christliche Seefahrt ebenfalls hinter sich gelassen. Dafür hat man sich die Mitarbeit des Stars einiges kosten lassen: Über 50 Millionen Dollar soll Depp angeblich kassieren. Und damit ist dieser Exil-Amerikaner, der in den 90ern unter Regisseuren wie Emir Kusturica, Jim Jarmusch, Tim Burton oder Terry Gilliam zu einer Art Independent-Superstar geworden war, endgültig in der obersten – um nicht zu sagen: der kommerziellsten – Liga Hollywoods angekommen.

On Stranger Tides ist somit ein Unternehmen, bei dem sehr viel Geld im Spiel ist; dass das nicht die besten Voraussetzungen für einen guten Film sind, zeigte der konfuse und gnadenlos überproduzierte dritte Teil. Glücklicherweise ist die Story nun nicht ganz so barock, allerdings tendiert man noch immer dazu, die Dinge unnötig kompliziert zu machen. Objekt der Begierde ist dieses Mal die Quelle der ewigen Jugend, zu der es allerdings nicht nur Sparrow zieht: Neben dem finsteren Piraten Blackbeard (Ian McShane) sind sowohl die spanische als auch die englische Krone hinter dem Jungbrunnen her; letztere vertreten durch Kapitän Barbossa, eine der wenigen Figuren – respektive mit Geoffrey Rush Schauspieler -, die es neben Sparrow in den neuen Film geschafft haben. Der wichtigste personelle Neuzugang ist Penélope Cruz in der Rolle der heissblütigen Angelica, die eine intensive Hassliebe mit Sparrow verbindet und die ein mehr als undurchsichtiges Spiel spielt.

Auf den Spuren des Konquistadors Juan Ponce de León schlagen sich die rivalisierenden Fraktionen zur sagenhaften Quelle durch und haben dabei genregemäss mit allerlei Unbill zu kämpfen, wobei hier eine Meute – oder wäre Schule der korrekte Terminus? – erstaunlich rabiater Meerjungfrauen besonders hervorzuheben ist. Das alles ist ganz unterhaltsam, in keinem Moment so ärgerlich wie der dritte Teil, aber nur selten so spritzig wie in den Anfängen der Serie, was primär daran liegt, dass man Sparrows Ticks und Spleens mittlerweile zur Genüge kennt. Depp sieht man zwar immer gerne zu, doch das Überraschende, Neuartige ist längst dahin. Es wird Zeit, dass der Schauspieler wieder neue Ufer ansteuert.

Erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 19. Mai 2011.

Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides in der Internet Movie Database.

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