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Als die Männer noch grunzten – Northmen – A Viking Saga von Claudio Fäh

Gestrandete Wikinger
Gestrandete Wikinger
Ein Finsterling
Ein Finsterling …
und noch einer
… und noch einer

Man würde ja gerne vieles loben an Northmen. Zum Beispiel: Endlich mal ein Schweizer Film, der aus dem helvetischen Mief ausbricht. Weder harmlose Dorfkomödie noch die x-te Nabelschau schweizerischer Behäbigkeit, sondern Genrekino ohne viel Federlesens. Ein Kostümfilm mit behaarten Männern, Schwertern, Äxten und viel Blut.

Erzählt wird die Geschichte eines Trüppchens aufrechter Wikinger, die es nach Schottland verschlägt, wo ihnen eher zufällig eine holde Königstochter in die Hände gerät. Deren Vater ist darob freilich wenig erbaut, worauf er das berüchtigte Wolfsrudel, ein Heer rücksichtsloser Söldner, auf die Nordmänner hetzt, die sich unter Anleitung eines erstaunlich kampflustigen Mönchs bis zur nächsten Wikingersiedlung durchschlagen.

Wie gesagt: Man würde das alles gerne loben, allein, man kann es nicht. Denn was vom Plot her durchaus Grundlage eines unterhaltsamen Abenteuerfilms sein könnte, ist in der konkreten Umsetzung vor allem lachhaft. Das beginnt bei den Dialogen, die man vor lauter Schreien und Grunzen kaum als solche bezeichnen kann, und endet bei Figuren, deren herausragendste Eigenschaft sagenhafte Dummheit ist. So tappst die angebliche königliche Elitetruppe blindlings in jede Falle und lässt sich munter dezimieren. Immerhin ist die Intelligenz auf beiden Seiten gleich spärlich verteilt, denn bei den Wikingern schläft die Wache natürlich im entscheidenden Moment ein.

Die Landschaften – gedreht wurde in Südafrika – sind durchaus spektakulär, und auch Kostüme und Requisiten wissen zu gefallen. Bei den Kampfszenen dagegen werden die Budget-Begrenzungen schnell sichtbar. Für einen ordentlichen Schwertkampf braucht es nun einmal spezialisierte Choreografen und vor allem viel Zeit. Beides ist teuer, weshalb die zahlreichen Schlachten im Wesentlichen aus schnell geschnittenen Abfolgen von Nahaufnahmen bestehen. Das soll darüber hinwegtäuschen, dass den Akteuren die nötigen Martial-arts-Skills fehlen. Attraktive Kämpfe, an deren Artistik man sich erfreuen kann, sehen anders aus.

Nun kann filmischer Ramsch ja seinen ganz eigenen humoristischen Reiz entwickeln. Zwar gibt es in Northmen Momente brachialer Komik, die derart übertrieben sind, dass man sie unmöglich ernst nehmen kann – etwa am Ende, wenn der bereits elendiglich im Moor ersoffene Oberbösewicht brüllend wiederaufersteht. Doch für ein echtes Trash-Happening nimmt sich diese Saga dann doch wieder zu ernst. Um den Film wirklich zu goutieren, empfiehlt sich wohl ein solider Alkoholpegel. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Journalisten bei der Pressevorführung mit einer Flasche Honigwein beglückt wurden.

Unter normalen Umständen käme eine Produktion wie Northmen gar nicht ins Kino. Dass Claudio Fähs Film nicht den für diese Art von Genredutzendware üblichen Weg des direkten DVD-Release geht, dürfte einzig daran liegen, dass mit Ascot Elite eine Schweizer Produktionsfirma federführend ist, die zugleich auch der grösste unabhängige Verleiher in der Schweiz ist.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 23. Oktober 2014.

Northmen – A Viking Saga in der Internet Movie Database.

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