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Mission: Impossible 2 von John Woo

Mission: Impossible war die Kinoversion einer äusserst beliebten Agentenfernsehserie. Im gestylten Gewand der Neunziger war der Film unter der Regie Brian DePalmas mit Tom Cruise als Produzent und Hauptdarsteller ein beachtlicher kommerzieller Erfolg. Doch so richtig überzeugen konnte das Unternehmen die Fans nicht. Sie strömten zwar in die Kinos, doch was sie sahen, war – von zwei eindrucksvollen Actionszenen abgesehen – zu langsam, zu verwickelt, schlicht zu langweilig.

Für die Neuauflage hat Cruise nun den Hongkongchinesen John Woo engagiert, nach Broken Arrow und Face/Off bereits dessen dritte Hollywoodproduktion. Woo wird gerne als König des Hongkong-Actionkinos bezeichnet, ein grundlegendes Missverständnis. Zwar bieten Filme wie The Killer, Bullet in the Head und Hardboiled Actionszenen von seltener Virtuosität, doch im Grunde dreht Woo riesenhaft überhöhte Melodramen. Melodramen zwischen Männern notabene. Da sehen sich Cop und Gangster tief in die Augen, verbinden sich gegenseitig voller Zärtlichkeit die Wunden und gehen gemeinsam in den Opfertod. Die Gewaltorgien markieren bei Woo – ähnlich wie die Tanzeinlagen in Musicals – nur emotionale Höhepunkte, und wie Musicalnummern sind sie auch vollkommen von jeglicher Logik und Sinnhaftigkeit entkoppelt.

Diese Grundstruktur behielt Woo in seinen amerikanischen Filmen bei. Auch hier stand die Beziehung zwischen Polizist und Gangster im Vordergrund, waren Frauen nur Staffage und markierte Gewalt Momente grossen Gefühls. In Mission: Impossible 2 fehlt die homoerotische Komponente, dafür treibt Woo alle andere Elemente auf die Spitze.

M:I-2 ist die Geschichte des Geheimagenten Ethan Hunts und der Meisterdiebin Nyah (Thandie Newton). Er heuert sie für eine besonders delikate Mission an, doch schon als sie zum ersten mal aufeinandertreffen, wissen wir, dass nicht die Mission sondern die Beziehung zwischen den beiden das eigentliche Thema des Films ist. Diese beiden unirdisch schönen Wesen, in deren makellosen Gesichtern die Kamera so hemmungslos schwelgt, und nicht die abstruse Jagd nach einem künstlich hergestellten Supervirus und seinem Gegengift stehen im Zentrum der Geschichte. Einzig die Frage, ob ihre Liebe gross genug ist, ob sie bereit sind, im Namen dieser alle und alles erlösenden Liebe ihr Leben zu geben, interessiert den Film. Und so sehen wir in der ersten Hälfte nach einem kurzen rasanten Auftakt eigentlich nur, wie sich die beiden in quälendem Zweifel winden. Doch keine Angst, jede Qual hat einmal ein End. Nyahs Liebe ist stark genug, sie ist bereit, sich für Ethan und die ganze Welt aufzuopfern, indem sie sich mit dem Virus infiziert. Das ist das Zeichen für Ethan, nun kann er seinerseits mit der Erlösung loslegen. Und er legt los, und das nicht zu knapp.

Die letzte halbe Stunde des Filmes ist eine einzige grosse Actionszene, in der sämtliche physikalischen Gesetzmässigkeiten aufgehoben sind. Was Superman kann, kann Ethan schon lange, nur tut er es ungleich eleganter. Seien es Feuergefechte, Nahkämpfe oder Verfolgungsjagden, Woo inszeniert sie als schwereloses Ballet. So furiose Actionszenen von so sinn- und logikentleerter Schönheit hat es noch nicht gegeben, das Actionkino erreicht in M:I-2 eine neue Reinheitsstufe, in der sich alle Fragen nach Realitätsbezug in reiner Geschwindigkeit auflösen. Zum Schluss errettet Ethan seinerseits Nyah, der Liebe dieser beiden Halbgötter kann kein noch so abgefeimter Schurke wiederstehen. Es wäre nur folgerichtig, wenn sich das Paar zum Schluss wie am Ende von The Matrix erheben und allem Irdischen entfliegen würde. Doch diese letzte Erlösung, der endgültige Übergang ins Transzendente, ist ihnen vorerst nicht gegönnt, schliesslich werden sie in künftigen Fortsetzungen noch gebraucht. So dürfen sie sich vorerst nur in der Arme fallen, inmitten eines Volksfestes umgeben von lauter Menschen, die so vergnügt und im Vergleich zu ihnen so unendlich klein sind wie wir Kinozuschauer.

Mission: Impossible 2 in der Internet Movie Database

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