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Totaler Systemabsturz – The Matrix Revolutions von Andy und Larry Wachowksi

Wenn es darum geht, eine erfolgreiche Filmidee so lange auszuschlachten, bis am Ende gar nichts mehr übrig bleibt und auch noch der letzte Fan vergrault wurde, schreckt Hollywood vor keiner Höchstleistung zurück. Wer gedacht hat, mit The Matrix Reloaded sei der Tiefpunkt erreicht, hat sich getäuscht. Die Talsohle ist noch lange nicht erreicht, es geht immer noch dümmer.

Stellte sich bei Reloaded noch die Frage, ob die zahlreichen Unklarheiten am Ende des Films Kalkül eines zu ausgeklügelten Drehbuchs oder doch eher Anzeichen mangelnder Kohärenz waren, ist bei Revolutions schon von Beginn an klar: Nicht einmal mehr der Film selbst interessiert sich noch für seine Geschichte. Spannung, Emotionen, raffinierte Spiele mit Realität und Illusion? Wozu auch, wenn man alle Storystränge auch ganz einfach niederprügeln kann. Die Actionszenen, die schon in Reloaded ausuferten, sind zum Abschluss völlig ausser Kontrolle geraten. Die Wachowskis scheinen mittlerweile jedes Gefühl für Proportionen oder Rhythmus verloren zu haben. Und wer hofft, dass wenigstens visuell was geboten wird, muss sich ebenfalls auf eine Enttäuschung gefasst machen. Zwar wird da mit der ganz grossen digitalen Kelle angerührt, interessant ist das aber nie. Die fast halbstündige Schlacht um die letzte Menschenstadt Zion gehört zum Lachhaftesten, was Hollywood dieses Jahr zu bieten hat. Da kracht und dröhnt es zwar, dass die Kinosessel wackeln, greifen die bösen Tentakel-Roboter gleich in Hundertschaften an, nützen tut’s freilich nichts. Es geschieht unheimlich viel auf der Leinwand, die Sequenz ist aber derart konfus geschnitten und lieblos inszeniert, dass sie ungefähr so spannend ist wie ein Fernseher mit ausgefallenem Kanal.

Aber weil ein Film nicht nur von sinnloser Action leben kann und es ja den Anspruch des philosophischen Actionfilms einzulösen gilt, wurden zwischen dem allgemeinen Lärm und der audiovisuellen Belästigung noch ein paar Dialoge gestreut. Die bevorzugte Kommunikationsweise in Revolutions ist das hintergründig-sonore Raunen. Der Orakel-Tonfall suggeriert bereits so viel Tiefsinn, dass der Inhalt getrost vernachlässigt werden kann. Auf dem Gebiet der inhaltsleeren Sentenzen reiht Revolutions einen Höhepunkt an den anderen, der Begriff „schlechter Dialog“ kriegt hier eine ganz neue Bedeutung. Unterstützung gibt’s von einem atemberaubend miesen Ensemble. Morpheus (Laurence Fishburne) wird zwar von Einstellung zu Einstellung fetter, seine Figur hat mittlerweile aber die Plattheit von Löschpapier erreicht. Und Keanu Reeves zeigt seinerseits eindrücklich, dass er sein Antitalent auch mit verbundenen Augen noch voll zur Geltung bringen kann.

Es wäre zum Lachen – und im Kino gibt’s auch genug nicht beabsichtigte Lacher –, wenn’s nicht so ärgerlich wäre. Zwei wertvolle Stunden, in denen man etwas Sinnvolles hätte tun können – und was wäre schon sinnloser gewesen? – für immer verloren; und niemand wird sie uns je zurückgeben. Ein Film wie Revolutions grenzt schon fast an Körperverletzung. Als einziger Hoffnungsschimmer bleibt der Spruch des Orakels: „Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.“ Es ist zu hoffen, dass sich die Wachowskis wenigstens an dieses Versprechen halten. Eine weitere Fortsetzung dieses Schwachsinns überlebe ich nicht.

The Matrix Revolutions in der Internet Movie Database

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