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Mit dem filmischen Zweihänder – Machete von Ethan Maniquis und Robert Rodriguez

Robert de Niro
Robert de Niro als fieser Senator
Steven Seagal
Ja, es ist tatsächlich Steven Seagal
Gefährliche Schwestern
Gefährliche Schwestern
Danny Trejo
You fucked with the wrong Mexican
Danny Trejo
Tun Sie, was er sagt, er hat ein Messer

Sogenannte B-Movies, also Filme mit kleinen Budgets und ohne bekannte Stars, waren seit jeher der Ort, an dem innerhalb der US-Filmindustrie politische und soziale Konflikte ihren deutlichsten Niederschlag fanden. Vor allem in den 60er und 70ern gab es in den schnell gedrehten Billigproduktionen, für die sich niemand wirklich interessierte, viel Raum für subversive Positionen – politischer sowie künstlerischer Art.

Im Falle von Machete ist die Sache freilich etwas komplizierter: Zwar greift der Film mit dem Thema der illegalen Migration ein Thema auf, das nicht nur in den USA politische Brisanz hat. Zugleich ist Robert Rodriguezʼ Texmex-Gemetzel aber auch ein typisches post-postmodernes Spiel, bei dem ein fest etablierter Regisseur mit einem hochwertigen Ensemble ganz bewusst Genrekonventionen zitiert und auf ihre absurde Spitze treibt.

Danny Trejo, dessen Gesicht aussieht wie ein Stück mexikanische Wüste, spielt den Titelhelden mit dem messerscharfen Namen: Ein ehemaliger mexikanischer Bundespolizist, der im Prolog in einen Hinterhalt gelockt wird und eine Kugel in den Kopf kriegt, nur um dann später wieder putzmunter als illegaler Einwanderer in Texas aufzutauchen und gleich wieder in einen Hinterhalt gelockt zu werden und wieder eine Kugel in den Kopf zu kriegen. Aber Training stärkt ja bekanntlich und so bleibt Machete nach seinem zweiten Kopfschuss nicht untätig liegen, sondern geht auf einen Rachefeldzug.

Die Idee zu Machete» hatte Rodriguez, der mit Ethan Maniquis als Co-Regisseur fungiert, dem Vernehmen nach bereits in den 90ern. Die Filmwelt erfuhr von dem schweigsamen Messerschwinger allerdings erst 2007 im Zusammenhang mit dem Grindhouse-Double-Feature, das Rodriguez gemeinsam mit seinem Bruder im Geiste Quentin Tarantino drehte: Für die Pause zwischen ihren Filmen Planet Terror» und Death Proof», die ebenfalls fleissig die B-Movies der 70er zitieren, liessen die Beiden eine Reihe von Trailern für nicht-existente Filme drehen. Rodriguezʼ Beitrag – der beste der Reihe – war damals die Machete-Vorschau.

Drei Jahre später ist nun der Film zum Trailer da, in dem ein grosser Teil der Einstellungen aus der Vorschau eins zu eins enthalten sind. Nun erfahren wir, wie perfide die Verschwörung wirklich ist, der Machete hier zum Opfer fällt und wer im Hintergrund die Strippen zieht. Die Schweiz ist ja keineswegs das einzige Land, in dem rechtsgerichtete Politiker mit untauglichen Massnahmen gegen Immigranten politisch Karriere machen wollen. Senator McLaughlin (Robert de Niro) geht beim Missachten elementarer Rechtsgrundsätze allerdings noch einen Schritt weiter als die hiesigen Ausschaffer: Nicht nur will er die Einwanderer mit einem Zaun am Grenzübertritt hindern, in seiner Freizeit macht er hin und wieder gemeinsam mit einer Truppe Rechtsradikaler – angeführt von Miami-Vice-Darsteller Don Johnson – gnadenlos Jagd auf Grenzüberquerer.

Um seine Umfragewerte zu steigern, lässt McLaughlin seinen Büttel Booth (Jeff Fahey) Machete anheuern, damit dieser einen Anschlag auf ihn begeht – bei dem der vermeintliche Attentäter sterben und der Senator als angeschossener Held dastehen soll. Doch Machete ist sich Kopfschüsse ja gewohnt und demonstriert im Folgenden, warum die Angst vor illegalen Einwanderern manchmal durchaus berechtigt ist. Am Ende hat Machete nicht nur alle Bösewichte zur Strecke gebracht – er ist sogar zum Anführer und Symbol einer Untergrundarmee der mexikanischen Einwanderer geworden. Gelungene Integration sieht anders aus.

Rodriguez war nie ein subtiler Regisseur, sondern ein Feuerwerker, ein grosses Kind mit viel Freude am filmischem Exzess und am Tabubruch. Das mag er mit Tarantino gemein haben, doch dessen Instinkt fürs Vielschichtige unter der poppigen Oberfläche geht ihm vollkommen ab. Vor allem hat er nicht Tarantinos Gefühl für Rhythmus und Geschwindigkeitsveränderungen. Nach einem furiosen Auftakt, bei dem die Köpfe fliegen und das Blut nur so spritzt, gelingen ihm nur selten langsamere Passagen, die mehr sind als blosse Prologe zu weiteren Action-Furiosos. Sicher: Wenn sich Machete am Darm eines Widersachers aus dem Fenster schwingt, ist das ein kleines Bravourstück überdrehter Gewalt. Letztlich hat der Film jenseits allen Augenzwinkerns und Zitierens aber doch wenig zu bieten. Und nur weil das alles so frech und ganz offensichtlich ironisch gemeint ist, wird es deswegen nicht unbedingt subversiv oder interessant. Die perfekten nackten Hinterteile und Brüste, die uns der Film immer wieder präsentiert, wirken auf jeden Fall nicht sonderlich satirisch und ermüden mit der Zeit ebenso sehr wie die ständigen Blutfontänen. Und so können wir am Ende wie schon bei vielen anderen Filme zuvor auch bei Machete konstatieren, dass der Trailer eigentlich besser war als der fertige Film.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 18. November 2010.

Machete in der Internet Movie Database.

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