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Aussergewöhnlich dumm – The League of Extraordinary Gentlemen von Stephen Norrington

London im ausgehenden 19. Jahrhundert; ein Supergangster namens Fantom bricht mit einem Panzer in die Bank of England ein. Kurz darauf legt derselbe Bösewicht einen deutschen Luftschiffhangar in Schutt und Asche. Die politische Lage ist angespannt, die Grossmächte sind nervös, der Weltkrieg zum Greifen nahe. Die britische Krone wendet sich deshalb an den Abenteurer Allen Quatermain (Sean Connery), er soll eine Gruppe „aussergewöhnlicher Herren“ im Kampf gegen das Fantom anführen.

The League of Extraordinary Gentlemen, eine graphic novel aus der Feder von Alan Moore, ist eine Art viktorianischer Superheldencomic. Der Clou dabei ist, dass sich die Heldentruppe vollständig aus literarischen Figuren zusammensetzt: Da wären neben Quatermain, der Hauptfigur aus Haggards King Solomon’s Mines, Jules Vernes Kapitän Nemo (Naseeruddin Shah), Mina Harker (Peta Wilson) aus Dracula, der unsichtbare Mann von H. G. Wells und Dr. Jekyll/Mr. Hyde von Stevenson. Für den Film neu dazu gekommen sind noch Dorian Gray und ein amerikanischer Geheimagent namens Sawyer, der wohl der ausgewachsene Tom Sawyer sein soll.

Man nehme ein Hand voll literarischer Figuren, kreuze sie mit The Magnificent Seven, streue eine Prise Superheldenfilm darunter und pflanze das Ganze ins Europa der Jahrhundertwende, und was kommt dabei heraus? Ein unglaublich dämlicher, geradezu himmelschreiender Schwachsinn. Regisseur Stephen Norrington hat einen Film verbrochen, der von logischen Fehlern und offensichtlicher Blödheit nur so strotzt. Kapitän Nemos U-Boot Nautilus zum Beispiel hat zwar innen die Grösse eines Palastes, ist aber doch klein genug, um in den Kanälen Venedigs Platz zu finden. Und in Venedig selbst gibt es nun neuerdings Highways, auf denen man sich Autoverfolgungsjagden liefern kann.

Nun ist man sich ja gewohnt, dass es Actionfilme mit dem Realismus nicht so genau nehmen, das wirklich Erstaunliche an League ist aber ohnehin, wie billig der ganze Film wirkt. Seien es die Unterwasseraufnahmen, wenn die Nautilus auf Tiefgang geht, das einstürzende Venedig oder der monströse Mr. Hyde, die digitale Tricktechnik ist für einen Film dieser Grössenordnung peinlich schlecht. Kommt noch hinzu, dass die Kampfszenen viel zu hektisch inszeniert sind. Ein Actionfilm mit schlechten Effekten und langweiliger Action, da bleibt nicht mehr viel Positives übrig.

Um was es bei League eigentlich gehen sollte, ist, wie eine Gruppe ausgesprochener Individualisten, Randgänger der Gesellschaft, ihre persönlichen Probleme zurückstellen, um zu einem Team zu werden. Davon ist freilich nichts zu merken. Die Figuren sind platt und hölzern, auch der grosse Charmeur Connery wirkt langweilig und farblos. Gegenüber dem Comic wurden die Protagonisten zwar kräftig aufgemotzt und mit noch grossartigeren Fähigkeiten versehen – Nemo ist Martial Arts-Meister, Mr. Hyde sieht aus wie der kleine Bruder von Hulk – , genützt hat es wenig. Und obwohl die Story im letzten Drittel mit einer ziemlich unerwarteten Wendung aufwarten kann, bleibt jegliche Überraschung aus. Das Publikum hat sich zu diesem Zeitpunkt längst vom Film verabschiedet, im Kinosaal herrscht nur noch aussergewöhnliche Langeweile.

The League of Extraordinary Gentlemen in der Internet Movie Database

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