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Held von der Stange – The Legend of Zorro von Martin Campbell

Superheldentum ist keine einfache Angelegenheit; wer als verkleideter Räche für das Gute kämpfen will, muss im Privatleben Kompromisse machen. Die Fassade einer normalen bürgerlichen Existenz lässt sich nur mit grosser Anstrengung aufrecht erhalten, an ein geregeltes Familienleben ist da nicht zu denken. Diese leidvolle Erfahrung muss auch Zorro machen. Zehn Jahre sind vergangen seit The Mask of Zorro, und obwohl der Rächer im schwarzen Cape mittlerweile verheiratet ist und einen Sohn hat, fehlt die rechte Familienharmonie. Der Sohn hält seinen Vater für einen Waschlappen und Taugenichts, und Ehefrau Elena liegt ihrem Alejandro ständig mit der Bitte in den Ohren, endlich den Degen an den Nagel zu hängen.

Alejandro aber denkt nicht daran, sich zum Pantoffelhelden degradieren zu lassen – Kalifornien steht kurz davor, Teil der Vereinigten Staaten zu werden, und der patriotische Rächer unterstützt dieses Vorhaben mit aller Kraft. Doch Elena – auch dieses Mal wieder von der rassigen Catherine Zeta-Jones verkörpert – weiss, was sie sich und ihrem Hispano-Image schuldig ist: Wutentbrannt zieht sie von dannen, und ehe sich’s der Ehemann versieht, flattert die Scheidungsurkunde ins Haus. Und um dem noch eins drauf zu geben, bändelt sie kurz darauf mit dem französischen Grafen Armand (Rufus Sewell) an, von dem gleich klar ist, dass er Böses im Schilde führt.

Es gehört zur Strategie Hollywoods, jedem Genre von Zeit zu Zeit einen Wiederbelebungsversuch angedeihen zu lassen, so auch dem Mantel und Degen-Film. Doch wenn fast gleichzeitig Fantasyelfen und Jedi-Ritter auf der Leinwand fechtend ihren Mann stehen, sieht eine Figur wie Zorro einfach alt aus, vor allem, weil hier keine digitalen Effekte helfend zur Seite stehen. Hier muss der Schauspieler tatsächlich noch wissen, wie man eine Klinge führt, aber im 21. Jahrhundert gibt es kaum Schauspieler, die die nötigen artistischen Fähigkeiten aufbringen, um an die Grossen der Gattung wie Douglas Fairbanks heranzureichen. Derartige Revivals funktionieren heute nur, wenn man wie Pirates of the Carribean mit einem Johnny Depp aufwarten kann. Antonio Banderas sieht zwar nach wie vor schmuck aus, aber irgendwie scheint er mit jedem Film an Charisma einzubüssen.

Und damit wären wir beim Problem von Legend of Zorro, dem Film fehlt Charme, Witz, Peffer, Originalität, Seele – kurz, irgend etwas, was die Standardware interessant machen würde. Der Plot ist 08/15, die Hauptdarsteller schön, die Schurken hässlich die Ästhetik aalglatt, es gibt Fechtkämpfe, Prügeleien und Explosionen, aber im Grunde interessiert das niemanden. Das hat man alles schon tausendmal gesehen, mal ein wenig besser, mal ein wenig schlechter, aber mehr als gut gemachte Dutzendware ist das nicht.

Überraschungen sind ausgeschlossen: Armand wird sich als Riesenschurke entpuppen, Elena und Alejandro finden – wer hätte das gedacht! – wieder zueinander, und auch Sohnemann Joaquin wird zum Schluss erkennen, dass der Vater eigentlich ein prima Typ ist. Niemand erwartet von einem Film wie Zorro grosse Offenbarungen, aber ein bisschen Originalität darf es dann schon sein. Ein Film für kleine Jungen, die noch nie im Kino waren, alle anderen können auf diesen Rächer getrost verzichten.



The Legend of Zorro in der Internet Movie Database

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