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The Big Lebowski von Joel und Ethan Coen

Vor ihrer Schneemoritat Fargo waren die Coen-Brüder hierzulande weitgehend unbekannt. Eine Ungerechtigkeit, denn unter ihren vorangegangenen fünf Filmen gab es eigentlich keinen wirklich schlechten. Bei Coen-Filmen bewegte sich die Bewertung bislang nur zwischen mehr oder weniger gut. Mit dem Erfolg ihres Meisterwerks Fargo, das verdientermassen mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, sind die beiden spleenigen Brüder nun endlich einem breiten Publikum bekannt geworden. Man durfte gespannt sein, wie das clevere Autorenpaar (offiziell führt Joel Regie und Ethan produziert, in Wirklichkeit machen sie aber alles gemeinsam) mit dem plötzlichen Erfolgsdruck umgehen würde.

Nachdem man The Big Lebowski gesehen hat, hat man das Gefühl, die beiden hätten ihren Erfolg gar nicht wahrgenommen, denn in ihrem neuen Film machen sie nur das, was sie ohnehin schon immer gemacht haben: rasend komische cineastische Kabinettstückchen.

Hauptfigur des Films ist Jeff Lebowski (Jeff Bridges), von seinen Freunden nur "The Dude" genannt, der – wie wir durch einen Off-Kommentar zu Beginn erfahren – faulste Mensch von Los Angeles. Der Dude ist ein Althippie mit langen, ungepflegten Haaren, Schmerbauch und schlabbrigen Kleidern, der seine Zeit am Liebsten damit verbringt, friedlich einen Joint zu paffen und dazu einen White-Russian-Cocktail zu trinken. Kann er diesen Lastern ungestört frönen und von Zeit zu Zeit eine Bowling-Partie mit seinen Freunden Walter und Donny spielen (die beiden Coen-Veteranen John Goodman und Steve Buscemi brillieren hier einmal mehr), ist er wunschlos glücklich.

Das Leben dieser amerikanischen Gaston-Ausgabe gerät aber mit einem mal aus den Fugen, als zwei Schläger, die ihn für seinen Namensvettern, den Millionär Lebowski, halten, auf brutale Weise Geld bei ihm eintreiben wollen und zum Schluss gar auf seinen Perser pinkeln. Entrüstet über so viel uncoole Aggression spricht der Dude bei Lebowski vor und verlangt von ihm einen neuen Teppich als Schadensersatz. Dieser weigert sich zwar, auch nur einen Cent zu zahlen, doch als seine Frau entführt wird, bittet er den Dude, als Geldkurier zu fungieren. Von da an nimmt die Handlung so viele absurde Wendungen, das sie sich kaum noch zusammenfassen lässt. Den Coens geht es in ihrem Film nicht um den grossen Handlungsbogen, vielmehr spinnen sie munter drauflos und lassen jede Situation den unwahrscheinlichsten Ausgang nehmen. Natürlich scheitert die Geldübergabe, und der Dude steht plötzlich zwischen den Fronten: Lebowski will seine Frau zurück, deutsche Nihilisten wollen dem Dude ans Leder und Lebowskis Tochter (Julianne Moore), eine feministische Actionmalerin, möchte eine Kind von ihm. Wenn es so etwas wie intelligenten Blödsinn gibt, dann in diesem Film, in dem sich eine urkomische Szene an die andere reiht.

Eine Stärke der Coens waren schon immer ihre Schauspieler, meist schreiben sie ihnen die Rollen auf den Leib. Neben Coen-Neuling Bridges glänzt vor allem Goodman als cholerischer, zum Judentum übergetretener Vietnamveteran, der seinen Freund eigentlich erst so richtig in den Schlamassel reitet (alle Glaubens- genossen werden ihr Gaudi haben, wenn sich Walter darüber ereifert, dass er am Sabbath nicht Auto fährt). Bis in die kleinsten Nebenrollen hinein ist der Film exzellent besetzt, die Dialoge sind meistens von umwerfender Komik.

Auch Formal weiss der Film zu begeistern. Wer je geglaubt hat, Bowling sei ein öder Rentnersport, wird hier eines Besseren belehrt. Bei den Coens wird jede Partie zu einer perfekt inszenierten Balletnummer. Ein besonderes Glanzlicht ist hier John Turturro als eitler Bowlingprofi Jesus. Höhepunkt des Filmes sind aber die irrwitzigen Kifferträume des Dudes. Wer schon immer mal auf einem fliegenden Teppich über L.A. schweben oder Bowling aus der Perspektive der Kugel erleben wollte, kommt hier voll auf seine Kosten. Natürlich erreicht der Film nie auch nur annähernd die Geschlossenheit von Fargo, doch das war auch gar nicht die Absicht der Macher. Zentrum von The Big Lebowski sind die Menschen, denn trotz ihres ironischen Grundtons sind die Coens letztlich Menschenfreunde, die ihre Figuren lieben. The Big Lebowski schert sich nicht um Logik oder Wahrscheinlichkeit, vielmehr ist der Film eine Verbeugung vor dem Dude und seiner Lebensphilosophie, alles doch ein bisschen leichter zu nehmen

The Big Lebowski in der Internet Movie Database

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