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Die Macht der Mattscheibe – Good Night, and Good Luck von George Clooney

George Clooneys Vater war beim Fernsehen, und dies dürfte wohl der Grund sein, warum die beiden Filme, in denen das Hollywood-Sexsymbol bislang Regie geführt hat, in der Welt der Fernsehstudios spielen. Ging es in Confessions of a Dangerous Mind noch um hirnlose Gameshows, so steht in Good Night, and Good Luck ein ernsteres Thema im Mittelpunkt.

Hauptfigur von Clooneys Film ist der Fernsehjournalist Edward Murrow (David Strathairn), in den 1950ern Moderator der Nachrichtensendung See it Now, und Aushängeschild des Senders CBS. Murrow ist Journalist mit Leib und Seele, ein Mann mit hohen moralischen Standards, der an die aufklärerische Wirkung des Mediums Fernsehen glaubt und nicht bereit ist, in die allgemeine Kommunistenhetze einzustimmen. Stattdessen befürwortet er einen Bericht über den Fall eines Piloten, der als angebliches Sicherheitsrisiko ohne Verfahren aus der Navy geworfen wurde. Mit der Veröffentlichung des Beitrags beginnen die Probleme: Militär und Politik machen Druck auf CBS , und – für den Fernsehsender am folgenschwersten – die Sponsoren drohen mit dem Rückzug. Murrow gibt nicht klein bei, sondern attackiert in einem weiteren Bericht den Kommunistenjäger Jospeh McCarthy vielmehr frontal.

Dass das Thema McCarthy gerade in Zeiten von besonderer Aktualität ist, in denen sich die US-Regierung im Kampf gegen den Terror das Recht herausnimmt, ihre Bürger ohne juristische Grundlage zu bespitzeln, liegt auf der Hand. Das Timing von Good Night, and Good Luck ist in dieser Hinsicht phänomenal. Allerdings geht es in Clooneys Film nicht nur um die Auswüchse politischer Paranoia, sondern auch um die Rolle, die die Medien in diesem Zusammenhang einnehmen. Auch das eine hochaktuelle Frage – mittlerweile ist man ja in den Redaktionen vieler US-Medien zur Einsicht gekommen, dass blinde Regierungstreue nicht der journalistischen Weisheit letzter Schluss sein kann.

In seinem Porträt Murrows entwirft George Clooney das Idealbild eines integren Journalisten, unterschlägt dabei aber auch, dass McCarthy überhaupt erst durch ein sensationslüsternes Mediensystem gross werden konnte. Und auch Clooney tendiert dazu, die kommunistische Hexenjagd auf die Person des Senators aus Wisconsin zu reduzieren; dass die antikommunistische Politik von einer breiten Mehrheit gestützt wurde und McCarthy lediglich deren extremster Auswuchs war, wird heute gerne verschwiegen. Dazu passt, dass im Presseheft des Films fälschlicherweise behauptet wird, McCarthy sei der Vorsitzende des House Un-American Activities Committee gewesen – einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, dem er als Senator gar nicht angehören konnte.

Den Anspruch, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu informieren und aufzuklären, hat auch Clooney, und so sympathisch sein Unternehmen sein mag, es reüssiert nur halb. Denn neben einer Geschichtsstunde und einem Plädoyer für seriösen Journalismus soll Good Night, and Good Luck auch noch ein Kammerspiel und ein Portrait der Frühphase des Fernsehens sein. Das ist definitiv zu viel auf einmal, und obwohl die meisten Szenen in sich stimmig sind, kriegt der Film als Ganzes den Bogen nicht so recht – aufklärende Unterhaltung ist nun mal keine einfache Aufgabe.

Erschienen auf Cineman.

Ein Kommentar

  • 1
    Mario Monaro:

    Ja, Clooney wollte wohl tatsächlich zu viel auf einmal. Hier hätte das Script noch ein paar Überarbeitungen vertragen, bei denen man sich auf den Kern hätte konzentrieren sollen. Dennoch zählt auch die Absicht und Clooney hat ja in Interviews erklärt, dass es ihm mit diesem Film auch um ein Statement zu den heutigen Zuständen im (amerikanischen) Journalismus geht.

    Komplexe Inhalte mit wenig Budget wirkungsvoll umzusetzen bleibt wohl weiterhin die besondere Gabe von John Sayles, den ich hier gerne in der Rolle des Drehbuchautors (und Regisseurs) gesehen hätte.

    Allerdings bleibt einem solchen Stoff sowieso nur ein kleines Publikum. Wie viele wollen schon ihren Horizont erweitern, wenn sie ins Kino gehen…?

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