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Reizende Gesellschaft – Factotum von Bent Hamer

Ein einnehmender Typ ist er nicht dieser Henry Chinaski (Matt Dillon) – und ein zuverlässiger Angestellter schon gar nicht. Zu Beginn von Factotum arbeitet Chinaski noch in einer Eisfabrik, eine denkbar anspruchslose Arbeit; als der Fahrer ausfällt und er einspringen muss, nutzt er diesen kurzfristigen Karrieresprung aber nicht etwa, um zu zeigen, was in ihm steckt, stattdessen verdrückt er sich in die nächstbeste Bar und betrinkt sich. Damit ist das Muster für den Rest des Films etabliert: Chinaski hangelt sich von Job zu Job und fliegt wegen Trunkenheit und schlechtem Benehmen meist nach kurzer Zeit wieder raus. Zwischendurch wettet er bei Pferderennen und hat mehr oder weniger lange Affären mit charakterlich auch nicht sonderlich gefestigten Frauen, die er – wie könnte es anders sein – in Bars antrifft. – Ach ja, und im Übrigen ist Chinaski Schriftsteller.

Factotum basiert auf dem gleichnamigen Roman von Charles Bukowski und taucht tief in dessen alkoholgeschwängerte Machowelt ein. Bukowskis Alter Ego Chinaski ist ein Kotzbrocken erster Güte, der sich, sobald er mal zu ein bisschen Geld kommt, aufspielt wie der grosse Zampano, sich aber, wenn’s finanziell mal weniger gut läuft, nicht zu schade ist, mit einem Penner billigen Fusel zu teilen. Und im Grunde ist ihm eh alles egal, Arbeit und Frauen langweilen ihn gleichermassen, was zählt, ist nur das Schreiben.

Ein Künstlerportrait der besonderen Art also – weder wird uns dieser Schriftsteller je sympathisch, noch erhalten wir Einblick in sein Werk. Ob Chinaskis Literatur auch etwas taugt, wird nie geklärt, und wenn am Ende des Films eine seiner Erzählungen schliesslich veröffentlicht wird, ist das kein typisches Hollywood-Happy-End – denn Chinaski kümmert es auch nicht, ob sein Werk geschätzt wird. Die anderen sind ohnehin Trottel, er schreibt, weil er schreiben muss, und die Qualität eines Text kann ohnehin nur der Schriftsteller selbst beurteilen.

Factotum ist denkbar undramatisch und im Grunde eintönig. Die Episoden in Chinaskis Leben verlaufen alle ähnlich, langweilig ist der Film aber dennoch nicht; in seiner Monotonie entwickelt er einen sehr eigenen, trockenen Humor und eine seltsam morbide Faszination. Das liegt vor allem an den Schauspielern, allen voran Matt Dillon, der offensichtlich darum bemüht ist, sein Image als Teenager-Idol abzulegen Er scheut sich nicht, Chinaski als unsympathisches Schwein zu spielen. – Bent Hamers Film wird sicher kein Kassenschlager, Bukoswki-Liebhabern und Freunden verrauchter Bars ist er aber unbedingt zu empfehlen.



Factotum in der Internet Movie Database

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