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Glücklich ist, wer vergisst – Eternal Sunshine of the Spotless Mind von Michel Gondry

Der Mensch definiert sich durch sein Gedächtnis, wir sind die Summe unserer Erinnerungen. Was wäre nun aber, wenn diese Erinnerungen veränderbar wären, wenn wir besonders unangenehme Erlebnisse löschen und Menschen, die uns Schmerz zugefügt haben, für immer vergessen könnten? Die Idee der Gedächtnismanipulation ist nicht neu – man denke nur an den Schwarzenegger-Streifen Total Recall –, neu an Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist vor allem die Umsetzung: Drehbuchautor Charlie Kaufmann, von dem auch die Scripts zu Being John Malkovich und Adaptation stammen, nimmt die Erinnerungsmanipulation nicht als Ausgangspunkt für eine actiongeladene Story, sondern erfindet stattdessen etwas zwischen melancholischer Romanze und leichter Liebeskomödie.

Hauptfigur des Films ist Joel Barrish – für einmal erfreulich unhysterisch: Jim Carrey –, ein leicht gehemmter Jedermann, der von seiner Freundin, der flippigen Clementine (Kate Winslet), verlassen wird. Das heisst: Verlassen ginge ja noch, aber Clementine hat sich jegliche Erinnerung an ihre Zeit mit Joel löschen lassen. Nachdem Joel die ganze Wahrheit erfahren hat, steht sein Entschluss rasch fest: Ohne Clementine will er nicht weiterleben, da vergisst er lieber alles, was er mit ihr erlebt hat. Und so dauert es dann auch nicht lange, bis Joel bei Lacuna Inc., dem Spezialinstitut für Gedächtnislöcher, im Büro sitzt und sich von dem freundlichen Doktor Mierzwark die Details der Operation erklären lässt.

Die eigentliche Behandlung Joels nimmt den grössten Teil des Films ein. Autor Kaufman scheint in Regisseur Michel Gondry, bekannt durch Videoclips für Björk und Beck, einen idealen Partner gefunden zu haben; gemeinsam inszenieren sie die Erinnerungstilgung als absurden Trip in Joels Unterbewusstsein. Gegenwart, Vergangenheit und Traum vermischen sich; in Bruchstücken wird die Vorgeschichte von Joel und Clementine aufgerollt, erfahren wir, wie die beiden zusammenkommen und sich wieder auseinander leben. Dabei verfährt der Film nie chronologisch, sondern schlägt wilde Kapriolen und lässt die verschiedenen Realitätsebenen in teilweise grossartigen Szenen aufeinanderprallen. Ganz so reibungslos wie geplant, gestaltet sich Joels Behandlung aber nicht: Etwas in ihm scheint zu rebellieren und will die Erinnerung an Clementine bewahren.

Während der schlafende Joel mit seinen Erinnerungen ringt, spielen sich um ihn herum weitere Dramen ab: Zwischen den Assistenten von Dr. Mierzwark und der schönen Sekretärin Mary (Kirsten Dunst) kommt es zu amourösen Verstrickungen, und das nicht zum ersten Mal: Auch einige Angestellte von Lacuna Inc. haben sich bereits einer Gedächtnislöschung unterzogen.

Eternal Sunshine wagt einen schwierigen Drahtseilakt, denn unterhalb der quirligen Oberfläche mit ihren wilden Plotdrehungen und den filmischen Kabinettstückchen erzählt der Film seine eigentliche, viel leisere und gar nicht phantastische Geschichte: Die Geschichte Joel und Clementine, zweier Menschen, die sich nach der ersten grossen Liebe auseinanderleben, sich plötzlich in einem Teufelskreis gegenseitiger Anschuldigungen und Verletzungen wieder finden, sich aber dennoch lieben.

Ist der Mensch nur die Summe seiner Erinnerungen, können wir unsere Persönlichkeit durch Manipulation unseres Gedächtnisses beliebig umformen? Am Ende entpuppen sich Gondry und Kaufman als Romantiker und beantworten die Frage mit einem klaren Nein.

Eternal Sunshine of the Spotless Mind in der Internet Movie Database

Ein Kommentar

  • 1
    Mario Monaro:

    Einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre. Und: ja, Kaufmann ist ein Romantiker und lässt uns die Hoffnung, dass nicht ganz alles manipulierbar ist – vor allem, wenn man bereit ist, sich zu wehren. Zum Glück, denn sonst handelte es sich hier nur um eine krude Brave-New-World-Version. Dass Menschen sich aber gegen ihr Schicksal auflehnen, kämpfen und dies dank der Kraft der Liebe ist eine schöne Hoffnung, mit der uns Kaufmann aus der Geschichte entlässt und die bereits im Titel versprochen wurde…

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