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Der Marine in uns – Battle: Los Angeles von Jonathan Liebesman

Der Feind!
Der Feind!
Es kracht …
Es kracht …
… und brennt …
… und brennt …
… und leuchtet.
… und leuchtet.

Alien-Invasionsfilm waren seit jeher ein beliebtes Feld für gesellschaftspolitische Diagnosen: In den Filmen der fünfziger Jahre, als Ausserirdische die amerikanische Gesellschaft unterwanderten, sehen viele Interpreten den Kalten Krieg gespiegelt, während die Extraterrestrischen der Siebziger und Achtziger für die entfremdete Jugend stehen. Und was passt besser ins Zeitalter von Fukushima als die Öko-Schmonzette Avatar?

Solche Gleichsetzungen greifen freilich etwas kurz, wie auch das Beispiel von Battle: Los Angeles zeigt. Der Plot des Film ist von einer derartigen Schlichtheit, dass jede tiefer gehende Interpretation bereits zu viel der Ehre ist: Ausserirdische greifen an und müssen vernichtet werden. Im Zentrum der Ballerei steht der Marine-Offizier Michael Nantz (Aaron Eckhart), der gerade seine Kündigung eingereicht hat, nun, da die Pflicht ruft, aber noch einmal in die Schlacht zieht.

Jonathan Liebesmans Film entpuppt sich als eigentlicher Anti-Avatar: Waren die blauen Na’vi bei Cameron die besseren Menschen, werden die Ausserirdischen in Battle: Los Angeles konsequent als hinterhältige und amorphe Masse inszeniert, die man bedenkenlos niedermähen kann. Nach einem kurzen Vorgeplänkel schaltet der Film denn auch auf Dauerfeuer um und verzichtet von da an weitgehend auf Spannung, Humor oder interessante Figuren. Als einziges emotionale Register bleibt das militärische Pathos. Die angeblichen Werte des Marine Corps leben hoch und als Höhepunkt darf ein kleiner Junge, der gerade seinen Vater verloren hat, stolz vernehmen, er sei tapfer wie ein Marine. Und damit wären wir auch bei der tieferen Bedeutung von Battle: Los Angeles: Im Grunde steckt in jedem von uns ein Marine. Hoffen wir bloss, dass er nicht rauskommt.

Erschienen in der Basler Zeitung vom 14. April 2011.

Battle: Los Angeles in der Internet Movie Database.

Ein Kommentar

  • 1
    Edgar Loesel:

    Ein herrlicher Verriss! Ich hoffe, dass mir sowohl die Konfrontation mit uncharismatischen Kalmaren als auch mit meinem eigenen inneren Marine erspart bleiben.

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