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Römische Schnitzeljagd – Angels & Demons von Ron Howard

The Da Vinci Code hat vor drei Jahren eindrücklich vorgeführt, dass ein genug grosser Medienrummel jede filmische Qualität ersetzen kann. Von der Kritik war Ron Howards Obskurantenthriller einhellig verrissen worden, dem kommerziellen Erfolg tat dies keinen Abbruch. Und so kommt mit Angels & Demons auch bereits die Fortsetzung in die Kinos.

Tom Hanks
Der Harvard-Professor beim Denken

Bei der Verfilmung von Dan Browns Bestseller – der eigentlich vor The Da Vinci Code erschienen war – hält man sich weitgehend an das Rezept des Vorgängers: Tom Hanks gibt wieder den Symbolspezialisten aus Harvard, der gerufen wird, um eine finstere Intrige aufzuklären: Während im Vatikan die Papstwahl über die Bühne gehen soll, hat ein gottloser Geselle vier Kardinäle entführt, von denen er zu jeder vollen Stunden einen töten wird. Pünktlich zu Mitternacht soll dann der ganze Vatikan in die Luft gesprengt werden – mit Antimaterie, die zu Beginn des Films aus dem CERN geklaut wird.

Glücklicherweise gibt sich der antipäpstliche Terrorist von Anfang an als Mitglied des mittelalterlichen Illuminatenordens zu erkennen. Dieser aufklärerische Geheimbund hat zwar bereits 1785, weniger als ein Jahrzehnt nach seiner Gründung, seine Tätigkeiten wieder eingestellt, lebt aber bis zum heutigen Tag in zahlreichen Verschwörungstheorien weiter. Und schliesslich braucht das Drehbuch ja einen Grund, um Langdon nach Rom zu fliegen.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger, der in Sachen Dramaturgie und Rhythmus von einem Tiefpunkt zum nächsten hetzte, stellt Angels & Demons eine klare Steigerung dar. Tom Hanks hat eine weniger dämliche Frisur, und insgesamt fliesst der Film deutlich besser. Allerdings scheinen Regisseur Howard und seine beiden Drehbuchautoren noch immer nicht verstanden zu haben, dass der Reiz von Browns Romanen nicht in deren mechanischem Plot liegt, sondern im fröhlichen Zusammenpanschen von historischen Fakten, Verschwörungstheorien und frei Erfundenem. Für derartige Ausführungen hat der Film allerdings keine Zeit. Kaum in Rom angekommen, begibt sich Landon auf eine ganz ähnliche Schnitzeljagd wie vor drei Jahren in Paris. Gemeinsam mit einer italenischen Teilchenphysikern (Ayelet Zurer) eilt er von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten – heuer allerdings nicht mehr mit einem Smart, sondern einem Fiat – und löst allerlei Rätsel. Praktischerweise legen Geheimbünde bei ihren Verbrechen ja immer eine Spur, der man mit dem nötigen okkulten Wissen folgen kann. Für den Zuschauer fallen so immerhin praktische touristische Kurzinfos an. Das Entschlüsseln der Rätsel wird dabei auf ein Minimum reduziert: meistens muss Langdon nur eine Statue finden, schauen, wo diese hinzeigt – und weiter geht die Jagd.

Parallel zu diesem «Giro di Roma» gehen im Vatikan finstere Machenschaften vor sich: Derweil das Konklave der Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle tagt, versucht der jugendliche Camerlengo (Ewan McGregor), Langdon bei dessen Nachforschungen zu unterstützen, doch der Chef der Schweizergarde scheint andere Interessen zu verfolgen. Die Schweiz ist in diesem Film dank CERN und Schweizergarde überhaupt sehr prominent vertreten, und das hiesige Publikum darf sich immer mal wieder an herrlichem Hollywood-Schweizerdeutsch erfreuen.

Ewan McGregor
Heimwerkerkurs im Vatikan

McGregor, der über weite Teile des Films ungewohnt blass wirkt, darf schliesslich noch eine längere Rede zum Verhältnis von Religion und Wissenschaft halten. Denn auch dieses Thema muss mit rein, wenn auch in einer Readers-Digest-Version. Das Hauptproblem des Films ist ohnehin seine überorchestrierte Prätention: Hier soll es um die ganz grossen Fragen gehen, deshalb dräut die Musik auch ohne Unterlass und schaut Hanks andauernd schräg aus der Wäsche. Am Ende ist Angels & Demons aber lediglich gross aufgezogener Ramsch, der wohl am unterhaltsamsten ist, wenn man ihn keinen Moment lang ernst nimmt.

Erschienen auf Cineman.

Angels & Demons in der Internet Movie Database

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